Wohnungsgenossenschaften als Stabilitätsanker auf dem Wohnungsmarkt
Im Mittelpunkt der Veröffentlichung steht die besondere Funktionsweise von Wohnungsgenossenschaften. Anders als renditeorientierte Wohnungsunternehmen sind sie auf die langfristige Versorgung ihrer Mitglieder mit Wohnraum ausgerichtet. Das Prinzip „ein Mitglied, eine Stimme“, die demokratische Mitbestimmung sowie die Reinvestition von Überschüssen in den eigenen Bestand sorgen nach Darstellung der Studie für stabile Mieten, langfristige Investitionen und eine hohe Bestandsorientierung. Damit übernehmen Genossenschaften aus Sicht des Autors eine wichtige Funktion für eine gemeinwohlorientierte Wohnungsversorgung.
Die historische Entwicklung des genossenschaftlichen Wohnens bildet einen weiteren Schwerpunkt der Veröffentlichung. Diese zeichnet den Weg von den ersten Genossenschaften im 19. Jahrhundert über die Wohnungsgemeinnützigkeit bis zu deren Abschaffung nach und ordnet die aktuelle Neue Wohnungsgemeinnützigkeit ein. Gleichzeitig wird erläutert, warum Wohnungsgenossenschaften ihre Bestände, anders als viele andere ehemals gemeinnützige Wohnungsunternehmen, dauerhaft sichern konnten und sich als vergleichsweise krisenfeste Organisationsform erwiesen haben.
Mit Blick auf internationale Beispiele verweist Mindrup insbesondere auf Österreich und Wien. Dort seien langfristige Förderstrukturen, eine aktive Bodenpolitik und ein starker gemeinwohlorientierter Wohnungssektor wesentliche Faktoren für einen hohen Bestand dauerhaft bezahlbarer Wohnungen. Aus diesen Erfahrungen leitet er Ansatzpunkte für die Weiterentwicklung der deutschen Wohnungspolitik ab.
Auch die Rahmenbedingungen für genossenschaftliches Wohnen werden in den Blick genommen. Behandelt werden unter anderem Förderkredite, der Zugang zu Grundstücken, die Vergabe von Erbbaurechten sowie Finanzierungsmodelle für Neubau und Bestandserwerb. Ergänzend werden verschiedene Praxisbeispiele aus Deutschland vorgestellt, die zeigen, wie Genossenschaften bezahlbaren Wohnraum schaffen, soziale und inklusive Wohnprojekte entwickeln sowie Quartiere langfristig stabilisieren.
Abschließend formuliert Mindrup Handlungsempfehlungen für Bund, Länder und Kommunen. Sie reichen von besseren Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten über einen erleichterten Zugang zu Grundstücken bis hin zu einer stärkeren Unterstützung von Neubau und Bestandserwerb durch Genossenschaften. Als wohnungspolitische Empfehlung spricht sich der Autor dafür aus, den Anteil der Wohnungsgenossenschaften am Wohnungsbestand langfristig von derzeit rund 10 auf 20 Prozent zu erhöhen. Ein größerer genossenschaftlicher Bestand könnte den Mietwohnungsmarkt nach Einschätzung der Studie strukturell entlasten und den Anteil dauerhaft bezahlbarer Wohnungen erhöhen.⇒
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