Serielles Sanieren: Neue Allianz gegründet – GdW bringt mit Rahmenvereinbarung Tempo in Markthochlauf
Im Zentrum der neuen Allianz stehen fünf bundesweit tätige Unternehmen: B&O Bau, ecoworks, Niersberger, RENOWATE sowie Saint-Gobain Pre.Formance. Sie verstehen sich als politische Interessenvertretung und Informationsplattform für Wohnungswirtschaft und Politik. Ziel ist es, serielle Sanierung als skalierbare Lösung für die energetische Modernisierung flächendeckend zu etablieren.
„Es ist der ideale Zeitpunkt gekommen, um serielle Sanierung als skalierbare Klimaschutzmaßnahme flächendeckend zu etablieren“, betonte Allianz-Sprecher Alexander Fuchs (B&O Seriell) bei einer Pressekonferenz zur Gründung der Allianz am 16. April 2026 in Berlin. Die Anbieter sehen sich als Lösungspartner für Eigentümer und Kommunen, die vor erheblichen Sanierungsaufgaben stehen.
Politische Forderungen und regulatorischer Rahmen
Die Allianz will zentrale strukturelle Hürden adressieren: Gefordert werden unter anderem eine bundesweite Muster-Richtlinie für serielle Sanierung, flexiblere Förderbedingungen sowie ein funktionales Vergaberecht, das nicht primär auf Einzellosvergaben fokussiert. Gerade Letzteres gilt als Schlüssel, um industrielle Prozesse effizient umzusetzen und Skaleneffekte zu heben.
Der Zeitpunkt ist bewusst gewählt: Mit der Umsetzung der europäischen Gebäuderichtlinie Energy Performance of Buildings Directive (EPBD) in deutsches Recht wächst der Druck auf den Gebäudesektor, der rund 40 Prozent der CO₂-Emissionen verursacht. Gleichzeitig müssen insbesondere ineffiziente Bestandsgebäude („Worst Performance Buildings“) zügig modernisiert werden.
GdW-Rahmenvereinbarung als Hebel für den Markt
Ein zentraler Baustein für den Hochlauf ist aus Sicht der Wohnungswirtschaft die geplante Rahmenvereinbarung für serielles Sanieren des GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen.
„Wir sind auf einem guten Weg: Die Bekanntmachung zum Start des Ausschreibungsprozesses ist für Mitte Mai vorgesehen, der Abschluss der Rahmenvereinbarung bis Ende des Jahres geplant. Das Interesse aus der Branche ist bereits jetzt groß“, sagte Fabian Viehrig, Leiter Bauen und Technik im GdW.
Worauf es ankommt: „Die Angebote müssen passgenau auf die Bedürfnisse der Wohnungsunternehmen zugeschnitten sein. Entscheidend wird letztlich die Preisgestaltung sein – sie bestimmt maßgeblich, in welchem Umfang die Rahmenvereinbarung später tatsächlich genutzt wird“, so Viehrig.
Die Gründung der Allianz begrüßt der GdW. Sie ist laut Fabian Viehrig ein positives Signal für die zunehmende Professionalisierung der Branche und ein wichtiger Schritt hin zu einer stärkeren gemeinsamen Stimme gegenüber Politik und Marktakteuren.
Große Potenziale – aber noch viel zu tun
Die Zahlen unterstreichen die Dimension der Aufgabe: Nach Angaben der Deutsche Energie-Agentur sind rund 90 Prozent der Wohngebäude in Deutschland noch nicht oder nur teilweise saniert. Gleichzeitig könnten laut Umweltbundesamt bis zu 6,5 Millionen Wohnungen für serielle Sanierung geeignet sein – ein Marktvolumen von etwa 120 Milliarden Euro.
Erste Fortschritte sind sichtbar: Seit 2019 wurden über 100 Projekte abgeschlossen, zahlreiche weitere befinden sich in Umsetzung oder Planung. Mit wachsender Erfahrung steigen auch Effizienz und Wirtschaftlichkeit. So hat sich die durchschnittliche Projektdauer laut dena-Studie seit 2023 halbiert, während die Kosten um rund ein Drittel gesunken sind.
Skalierung als Schlüssel zur Klimawende
Vor diesem Hintergrund verfolgen Allianz und Wohnungswirtschaft ein gemeinsames Ziel: die Verdopplung der jährlichen Sanierungsquote auf zwei Prozent bis 2028. Ohne industrielle Verfahren wie die serielle Sanierung dürfte dieses Ziel kaum erreichbar sein.
Die Kombination aus politischer Interessenvertretung durch die Allianz und marktwirksamen Instrumenten wie der GdW-Rahmenvereinbarung könnte dabei zum entscheidenden Katalysator werden. Ob der erhoffte Markthochlauf gelingt, wird jedoch maßgeblich davon abhängen, ob es gelingt, standardisierte Lösungen in ausreichender Qualität – und zu wettbewerbsfähigen Preisen – in die Breite zu bringen. (nag/schi)
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