Hitze in Städten: Neue BBSR-Studie macht Folgen ausbleibender Hitzevorsorge sichtbar
Mobilität gerät unter Hitzedruck
Bleiben Straßenräume stark versiegelt und unzureichend verschattet, verlieren aufgeheizte Wege, Plätze und Haltestellen an Aufenthaltsqualität und Nutzbarkeit. Menschen könnten häufiger auf klimatisierte Verkehrsmittel oder den privaten Pkw ausweichen. Die Folge sind zusätzlicher Verkehr, höhere Luftschadstoffbelastungen und weitere Wärmeemissionen. Besonders betroffen sind Menschen, deren Mobilität nur eingeschränkt anpassbar ist und die auf gut nutzbare öffentliche Räume angewiesen sind.
Infrastrukturen brauchen Vorsorge
Hohe Temperaturen belasten Straßenbeläge, Schienen, Oberleitungen und Stromnetze. Ohne vorausschauende Hitzevorsorge steigen Instandhaltungsaufwand und Betriebskosten, während die Funktionsfähigkeit von Verkehrs- und Versorgungsnetzen beeinträchtigt werden kann.
Ungleichheiten nehmen zu
Fehlen sommerlicher Wärmeschutz, Verschattung und ausreichend begrünte Freiräume, heizen sich Wohngebäude stärker auf. Hohe Innenraumtemperaturen beeinträchtigen Gesundheit, Schlaf und Leistungsfähigkeit. Besonders betroffen sind ältere Menschen, Kinder, chronisch Erkrankte oder Menschen mit geringeren finanziellen Ressourcen, deren Möglichkeiten zur Anpassung häufig begrenzt sind.
Stadtgrün verliert an Kühlleistung
Hitze und Trockenheit setzen auch bestehenden Straßenbäumen und Grünflächen zu. Nimmt ihre Verschattungs- und Verdunstungsleistung ab, verliert die Stadt einen Teil ihrer natürlichen Kühlung und die Hitzebelastung nimmt weiter zu.
Wirtschaftliche Folgen frühzeitig mitdenken
In Gewerbegebieten erschweren hohe Temperaturen die Arbeitsbedingungen, erhöhen den Kühlbedarf von Gebäuden und belasten technische Anlagen stärker. Langfristig entstehen zusätzliche Betriebs- und Energiekosten sowie mögliche Nachteile für die Standortqualität.
„Die Expertise macht deutlich, dass Hitzevorsorge eine Querschnittsaufgabe ist“, sagt BBSR-Expertin Stephanie Haury. „Gebäude, Freiräume, Mobilität, technische Infrastruktur und Stadtgrün beeinflussen sich gegenseitig. Wer diese Zusammenhänge frühzeitig berücksichtigt, kann Maßnahmen besser aufeinander abstimmen und Städte langfristig widerstandsfähiger gegenüber Hitze machen.“
Urban Heat Labs – Modellkommunen entwickeln Strategien
Die Publikation entstand im Forschungsfeld „Urban Heat Labs – Hitzevorsorge in Stadtquartieren und Gebäuden“. Während sie die möglichen Folgen ausbleibender Hitzevorsorge aufzeigt, entwickeln die Modellvorhaben konkrete Strategien für die kommunale Praxis und die Wohnungs- und Immobilienwirtschaft.
Im Mittelpunkt der Modellvorhaben stehen klimaangepasste Quartiere und Gebäude, hitzerobuste Straßenräume, leistungsfähige Grün- und Freiraumsysteme sowie Maßnahmen des sommerlichen Wärmeschutzes. Zudem entwickeln und erproben die Urban Heat Labs Planungs- und Beteiligungsprozesse, mit denen Hitzevorsorge dauerhaft in Stadtentwicklung und im Bauwesen verankert werden kann. Kommunen und Hauseigentümerinnen sowie Hauseigentümer sollen dabei unterstützt werden, Risiken frühzeitig zu erkennen und geeignete Anpassungsmaßnahmen gegen Hitze rechtzeitig umzusetzen.
Die Expertise ist hier abrufbar.