GdW-Sommertour 2026: Zwischen Stadtumbau und Klimawende in Brandenburg und Berlin
Die ersten Stationen der Sommertour in Brandenburg führten nach Guben und Eisenhüttenstadt. Beide Städte stehen exemplarisch für die Herausforderungen schrumpfender Wohnungsmärkte: sinkende Einwohnerzahlen, zunehmender Leerstand und die Frage, wie Wohnungsbestände langfristig zukunftsfähig entwickelt werden können.
In Guben, direkt an der polnischen Grenze, besuchte GdW-Präsident Axel Gedaschko gemeinsam mit BBU-Vorständin Maren Kern die Gubener Wohnungsgesellschaft mbH (GuWo) und die Gubener Wohnungsbaugenossenschaft GWG eG. Dr. Martin Reiher von der GuWo sowie Thomas Gerstmeier und Christian Dinger von der GWG gaben Einblicke in die Situation vor Ort und die Herausforderungen für die Unternehmen. Themen waren die Auswirkungen des demografischen Wandels, der Umgang mit Leerstand sowie die notwendigen Rahmenbedingungen für Stadtentwicklung, Rückbau, Modernisierung und bedarfsgerechten Neubau. Bei einer Stadtrundfahrt erläuterte Bürgermeister Fred Mahro zudem die Entwicklung Gubens und die Zusammenarbeit mit der polnischen Nachbarstadt Gubin.
Auch in Eisenhüttenstadt machte sich Axel Gedaschko gemeinsam mit Maren Kern ein Bild von den Herausforderungen einer schrumpfenden Stadt. Oliver Funke von der Eisenhüttenstädter Gebäudewirtschaft (GeWi) sowie Sabrina Franz-Zirwer und Stanley Fuls von der Eisenhüttenstädter Wohnungsbaugenossenschaft eG (EWG) stellten unterschiedliche Ansätze für die Zukunft des Wohnungsbestands vor. Angesichts eines möglichen Überhangs von mehr als 3.000 Wohnungen bis 2040 wurden unter anderem Wohnungszusammenlegungen, Geschossreduzierungen und alternative Nutzungen diskutiert.
Die Besuche in beiden Städten zeigten: Der Umbau schrumpfender Wohnungsmärkte braucht langfristige Strategien, verlässliche Förderinstrumente und Planungssicherheit, aber auch neue Ideen für die Weiterentwicklung bestehender Quartiere.

GdW-Präsident Axel Gedaschko und BBU-Vorständin Maren Kern (Mitte) mit Vertretern der GuWo und GWG in Guben…
Foto: GdW
…sowie in Eisenhüttenstadt mit Vertretern der Stadt und der Unternehmen GeWi und EWG.
Foto: GdWBerlin: Klimafreundliche Lösungen sind längst Realität
Beim Halt der Sommertour in Berlin standen innovative Projekte für Neubau und energetische Modernisierung im Mittelpunkt.
Bei der GESOBAU AG stellten Lars Holborn und Jochen Kellermann ein Nachverdichtungsprojekt vor, bei dem bis Ende des Jahres 25 Wohnungen in modularer Holzbauweise entstehen. Das Projekt zeigt, wie zusätzlicher Wohnraum nachhaltig und ressourcenschonend geschaffen werden kann.
Anschließend präsentierten Caroline Oelmann und André Haßmann von der Berlinovo Immobilien Gesellschaft ein seriell errichtetes Seniorenwohngebäude. Durch die Kombination aus Grauwasseranlage, Wärmepumpe und Photovoltaik arbeitet das Gebäude im Betrieb CO2-neutral und steht beispielhaft für wirtschaftliches und nachhaltiges Bauen.
Wie klimafreundliche Wärmeversorgung auf Quartiersebene funktionieren kann, erläuterte Robert Große von der Wohnungsbaugenossenschaft Köpenick Nord eG. Dort entsteht derzeit ein quartiersbezogenes Nahwärmenetz für 735 Wohnungen, das Abwärme aus dem Abwassersystem nutzt und so einen wichtigen Beitrag zur Wärmewende leistet.
Den Abschluss bildete die Besichtigung eines von der HOWOGE energetisch modernisierten DDR-Plattenhochhauses. Inga Stein-Barthelmes und Axel Zoske erläuterten, wie das Gebäude durch eine Photovoltaik-Fassade, Luft-Wasser-Wärmepumpen und Abluftwärmepumpen auf dem Dach auf den KfW-55-Standard gebracht wurde. Das Projekt zeigt, welches Potenzial auch im Gebäudebestand für den Klimaschutz steckt.


…der Berlinovo Immobilien Gesellschaft…
Foto: GdW
…und der Köpenick Nord eG.
Foto: GdW
Der Besuch des energetisch modernisierten DDR-Platten-Hochhauses der HOWOGE bildete den Abschluss der Tour durch Berlin.
Foto: GdWGemeinsame Herausforderungen, klare Forderungen
Die Stationen der Sommertour in Berlin und Brandenburg verdeutlichten die unterschiedlichen Herausforderungen der Wohnungswirtschaft. Während in Brandenburg der demografische Wandel und schrumpfende Wohnungsmärkte im Fokus stehen, beschäftigen Berlin vor allem klimafreundlicher Neubau und energetische Modernisierung.
Ein roter Faden zog sich durch alle Gespräche: Innovative technische Lösungen und zukunftsfähige Konzepte sind längst vorhanden. Für ihre flächendeckende Umsetzung brauchen die Unternehmen jedoch verlässliche politische Rahmenbedingungen, langfristige Förderprogramme und Planungssicherheit. ⇒