Wohnungswirtschaft in Baden-Württemberg fordert bessere Rahmenbedingungen für das bezahlbare Wohnen
Im Jahr 2024 haben die Mitglieder des vbw rund 4.000 Mietwohnungen errichtet und damit etwa 8.500 Menschen ein neues, bezahlbares Zuhause gegeben. Die Wohnungsunternehmen beabsichtigen, in diesem Jahr weitere 2.800 Wohnungen fertigzustellen. Nach derzeitigem Stand planen sie ab 2026 jährlich etwa 2.400 Wohnungen zu bauen. Das bedeutet eine Halbierung der Fertigstellungszahlen der Wohnungswirtschaft seit dem Jahr 2022.
Der vbw hatte vor dieser Entwicklung, die sich durch den Anstieg der Bau- und Finanzierungskosten sowie dem Wegfall der KfW55-Förderung im Jahr 2022 abzeichnete, gewarnt und starke wohnungspolitische Gegenmaßnahmen gefordert.
Rückläufige Baugenehmigungen im Land
Der Negativtrend lässt sich auch in den Zahlen des Statistische Landesamtes ablesen. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 30.627 Wohnungen in Wohngebäuden in Baden-Württemberg fertiggestellt. Das sind 6.620 weniger als im Vorjahr. 10.366 davon entstanden in Ein- oder Zweifamilienhäusern, 19.715 in Mehrfamilienhäusern.
Auch die Baugenehmigungen für Wohnungen sind von 2023 auf 2024 um 27 Prozent gesunken. Insgesamt wurden vergangenes Jahr lediglich 20.550 Wohnungen in Wohngebäuden in Baden-Württemberg genehmigt, in Mehrfamilienhäusern nur 13.356 Wohnungen. Das sind 30 Prozent weniger als im Vorjahr. Im Jahr 2022 lag die Zahl der genehmigten Wohnungen mit 42.136 Wohnungen mehr als doppelt so hoch. Diese Entwicklung zeigt, dass in den kommenden Jahren mit deutlich geringeren Fertigstellungszahlen in Baden-Württemberg zu rechnen sein wird.
„Der Bedarf und die Nachfrage nach Wohnraum sind weiterhin so hoch, dass die Politik sich noch intensiver für bessere Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau einsetzen muss“, fordert daher Dr. Iris Beuerle, Verbandsdirektorin des vbw.
Rückgängige Investitionen
Auch die Investitionen der Wohnungsunternehmen im vbw nehmen ab. Waren es im Jahr 2023 knapp 2,2 Milliarden Euro, wurden im vergangenen Jahr nur 1,85 Milliarden Euro investiert. Eine Milliarde Euro floss in den Neubau, die restlichen Investitionen verteilen sich auf die Instandhaltung mit knapp 500 Mio. Euro und Modernisierung mit rund 300 Millionen Euro.
„Erstmals seit vielen Jahren plant die Wohnungswirtschaft im Jahr 2025 wieder höhere Investitionen in der Instandhaltung und Modernisierung als für den Neubau. Insgesamt sind knapp 1,7 Milliarden Euro eingeplant“, berichtete Beuerle. Das Bauen sei aufgrund weiterhin hoher Baukosten und Finanzierungszinsen für den bezahlbaren Mietwohnungsbau schwer realisierbar geworden. Deswegen werden Neubauvorhaben derzeit nicht umgesetzt.
Wenn sich Spielräume für den Wohnungsbau ergäben, setzten die Unternehmen verstärkt auf serielles oder modulares Bauen, auf eine stärkere Verdichtung mit einer höheren Ausnutzung der Fläche und auf die Inanspruchnahme von Fördermitteln, erklärte die Verbandsdirektorin.
Bedeutung der Förderung steigt
Die Unternehmen bauen aufgrund der hohen Baukosten immer weniger frei finanziert, sondern konzentrieren ihre Neubauvorhaben auf den geförderten Wohnungsbau. Das führt zu Engpässen beim Mittelabruf und zur schnellen Ausschöpfung des Programms.
Für das Jahr 2025 stehen in Baden-Württemberg rund 760 Millionen Euro für die Wohnungsbauförderung zur Verfügung. Darin sind 456 Millionen Euro Bundesmittel enthalten „Die Landesregierung strengt sich sichtlich an. Wirklich ambitioniert und gut wäre es aber, wenn das Land die Bundesmittel in gleicher Höhe aufstockt“, betonte Beuerle. Der vbw fordert außerdem eine Änderung des Förderprogramms. Ergänzend zur Objektförderung ist aus Sicht des vbw eine zielgruppengenaue Subjektförderung notwendig, damit Fehlbelegungen reduziert werden.
Weiterer Mietanstieg – geringe Leerstandquote
Bei den gemeinwohlorientierten Wohnungsunternehmen lagen die Mieten zum Ende des Jahres 2024 nettokalt pro Quadratmeter bei durchschnittlich 7,66 Euro. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies eine durchschnittliche Erhöhung um 33 Cent, also 4,5 Prozent.
Die durchschnittliche Leerstandsquote liegt bei 2,8 Prozent. Das entspricht nahezu einer Vollvermietung. (schu)