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Raum für neue Wege – Kirche weiterdenken

Kelsterbach – Wie wäre es, wenn Kirchen plötzlich verschwinden? Wie stark sind die Gebäude ins Erscheinungsbild der Städte und Gemeinden integriert? Welche soziale Dimension geht verloren? Und warum sind Kirchen eigentlich so besondere Gebäude? Fragen, denen sich am 19. Juni das Fachpublikum und am 20. Juni Bürgerinnen und Bürger in der Herz Jesu Kirche in Kelsterbach gestellt haben. Im Rahmen des World Design Capital und des Förderprogrammes Zukunft Innenstadt gab es ein vielschichtiges Programm zur Debatte der Zukunft von entweihten Kirchengebäuden in Hessen.

1. Juli 2026
Herzlich willkommen: Die Begrüßung übernahmen an beiden Tagen Bürgermeister Manfred Ockel (li.) und Gastgeber Pfarrer Stefan Barton.
Herzlich willkommen: Die Begrüßung übernahmen an beiden Tagen Bürgermeister Manfred Ockel (li.) und Gastgeber Pfarrer Stefan Barton. Foto: ProjektStadt

Mit dabei war auch Andrej Müller vom Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum. Sein Fazit: „Nachdem der Hessische Landtag am 12. Juni 2026 den gemeinsamen Entschließungsantrag von CDU und SPD zum Erhalt und der nachhaltigen Nutzung von Kirchen- und Sakralgebäuden angenommen hat, kann nun auch in Hessen die Debatte richtig aufgenommen werden. Die Veranstaltungsreihe in der Herz Jesu Kirche bildet hierzu einen tollen Auftakt.“

Marion Schmitz- Stadtfeld, Leiterin der Integrierten Stadtentwicklung der ProjektStadt, sieht das Thema in der Städtebauförderung sehr gut aufgehoben und betont: „Die Instrumente der Städtebauförderung sind weit mehr als bloße Finanzhilfen – sie stiften die notwendigen Kommunikationsstrukturen und Netzwerke, um die gesamtgesellschaftliche Aufgabe umfassend anzugehen, Kirche weiterzudenken und neue, zukunftsfähige Orte für die Gemeinschaft zu entwickeln.“

Lange Tafel am Freitag, Workshop am Samstag

Am Freitag bildete die „Lange Tafel der Baukultur“ mit spannenden Fachvorträgen und Podiumsdiskussionen den Auftakt für die Veranstaltungsreihe. Am Samstag folgte ein großer Workshop, in dem jeder die Möglichkeit hatte, sich dem Thema kreativ zu nähern und viel Raum für den gemeinsamen Austausch bestand. Die Teilnehmenden aus Kelsterbach und den umliegenden Gemeinden näherten sich emotional dem Kirchenraum und entwickelten gemeinsam Grundrisse und potentielle Nutzungsszenarien. Der Workshop wurde mit einem offenen Dialog zu Chancen und Möglichkeiten der Nachnutzung von Sakralbauten eingeleitet. Da Kirchen in den meisten Fällen denkmalgeschützt sind, war die Landesdenkmalpflege als zentraler Partner an beiden Veranstaltungstagen aktiv vertreten. Dr. Verena Jakobi, Leiterin der Abteilung Bau- und Kunstdenkmalpflege beim Landesamt, betonte, wie wichtig eine frühzeitige Einbindung der Beteiligten – also Kirche, Kommune und Denkmalpflege – im Falle der Übernahme einer Kirche durch eine Kommune ist und plädierte dafür, den Denkmalschutz als gestalterische Chance für eine nachhaltige baukulturelle Weiterentwicklung zu begreifen.

Trotz der großen Hitze an diesem Tag war die Mitwirkung am Workshop außerordentlich rege und zeigte, wie wichtig die Auseinandersetzung mit der Zukunft der Kirchengebäude, die aus der liturgischen Nutzung fallen, gesellschaftlich ist. Die Projektleiterin der ProjektStadt, Alexa von Wedel, resümiert: „Besonders begeistert hat mich die Mitwirkung der Mitglieder der Kirchengemeinden, spontan sind an den beiden Tagen gleich drei kleine Orgelkonzerte entstanden, weitere Pläne zu Kirchenführungen und Bastelnachmittagen wurden geschmiedet. Zusammengefasst hat bereits die temporäre Nutzung einer Kirche für eine solche Veranstaltung gezeigt, was Kirche kann.“

Kunstinstallation am 12. September mit Minister Mansoori

Unter dem Motto „Kelsterbach bastelt für Frieden, Freiheit und Demokratie“ startete mit dem Workshop eine große Bastelaktion für eine gemeinsame Kunstinstallation, die am 12. September vom hessischen Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori feierlich eröffnet wird. Die Idee ist, dass möglichst viele Menschen Origami-Kraniche gestalten, die dann in einem großen Schwarm durch die Kirche „gleiten“. Mit der Eröffnung der Installation startet weiterhin die Kulturreihe mit musischem Schwerpunkt. Bis Ende des Jahres wird die Herz-Jesu-Kirche noch mehrfach ihre Pforten öffnen.

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