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Zwischen Platte und Neubau: Was Sachsen über die Zukunft des Wohnens zeigt

Pirna/Dresden – Wie kann bezahlbarer und zukunftsfähiger Wohnraum unter schwierigen Rahmenbedingungen entstehen? Die Antwort zeigt sich in den unterschiedlichen Lösungen, die Wohnungsunternehmen vor Ort entwickeln. Davon konnten sich Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW, Mirjam Philipp, Vorstand des Verbands ­Sächsischer Wohnungsgenossenschaften (VSWG), und Alexander Müller, Verbandsdirektor des Verbands der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Sachsen (vdw), bei der Sommertour durch Sachsen ein Bild machen.

13. August 2026
icon_immobilie12_1548x1152px_©Kryuchka Yaroslav

Erster Halt war Pirna. Bei der Städtischen Wohnungsgesellschaft Pirna (WGP) stand die umfassende Modernisierung eines Plattenbauquartiers im Mittelpunkt. WGP-Geschäftsführer Dirk Perner stellte das Projekt vor. Durch intelligente Grundrissanpassungen, energetische Sanierung und mehr Barrierefreiheit entstehen Wohnungen, die besser zu den heutigen Bedürfnissen passen. Besonders anspruchsvoll ist, dass die Modernisierung größtenteils im bewohnten Bestand erfolgt und Rücksicht auf die dort lebenden Menschen nehmen muss.

Gerade angesichts hoher Baukosten und begrenzter Flächen gewinnt die Weiterentwicklung bestehender Gebäude und Quartiere an Bedeutung. Es geht um Energieeffizienz ebenso wie um zeitgemäße Grundrisse, Barrierearmut und Wohnqualität.

Auch bei der Wohnungsgenossenschaft „Sächsische Schweiz“ in Pirna ging es um die Frage, wie sich Wohnraum zukunftsfähig gestalten lässt. Die Vorstände Matthias Staude und Angela Walter stellten den Neubau vor. Beim Projekt setzt das Unternehmen auf Wärmepumpen, Photovoltaik und datengestützte Lösungen. Ziel ist es, klimafreundliche Wärme mit langfristig bezahlbaren Betriebskosten zu verbinden. Umso wichtiger sind verlässliche Rahmenbedingungen und Planungssicherheit für wirtschaftliche und klimafreundliche Lösungen.

Geförderter Wohnraum mit modernen Standards

Wie unterschiedlich die Voraussetzungen für den Wohnungsbau sein können, wurde in Dresden deutlich. Bei der kommunalen WiD Wohnen in Dresden GmbH & Co. KG besichtigte Axel Gedaschko gemeinsam mit Alexander Müller und Mirjam Philipp sowie Steffen Jäckel, Geschäftsführer der WiD, den Neubau in der Schönaer Straße.

Die WiD war erst 2017 ohne eigene Grundstücke, Beschäftigte oder Wohnungsbestand gestartet und verfügt inzwischen über rund 2.300 Wohnungen. In der Schönaer Straße entstanden 28 vollständig geförderte Wohnungen für Haushalte mit Wohnberechtigungsschein. Die geförderte Miete beträgt dabei 6,28 Euro je Quadratmeter.

Das Gebäude wurde im KfW-55-EE-Standard errichtet und verfügt über Regenwasserversickerung, digitale und vandalismussichere Zutrittstechnik sowie eine intelligent gesteuerte Fernwärmeversorgung. Damit verbindet das Projekt bezahlbares Wohnen mit modernen Standards.

Doch der soziale Auftrag endet nicht mit der Schlüsselübergabe. Eine vielfältige Mieterschaft erfordert intensive soziale Betreuung und Verwaltung. Gerade kommunale Wohnungsunternehmen benötigen dafür verlässliche Unterstützung.

800 Interessenten für 49 Wohnungen

Eine andere Facette des Wohnungsbaus zeigte die Wohnungsgenossenschaft „Glückauf“ Süd Dresden. Vorstand Holger Helzel stellte den Neubau in der Döbraer Straße vor. Entstanden sind 49 Wohnungen mit zwei bis fünf Zimmern, Fußbodenheizung und weitgehend barrierearmen Grundrissen. Die Tiefgarage ist vollständig für Elektromobilität vorbereitet. Seit März 2026 ist das Quartier vollständig bezogen.

Wie groß der Bedarf an modernen genossenschaftlichen Wohnungen in Dresden ist, zeigte sich schon vor der Fertigstellung: Mehr als 800 Interessenten meldeten sich, ganz ohne Werbung. Auch wirtschaftlich kann sich das Projekt sehen lassen: Das vorgesehene Budget von 15 Millionen Euro wurde unterschritten. Die lange Planungsgeschichte des Projekts macht zugleich deutlich, wie viel Zeit und Ausdauer solche Projekte heute benötigen.

Was braucht gutes Bauen?

Neben den konkreten Projekten ging es auf der Sommertour auch um die grundsätzlichen Bedingungen für bezahlbares Bauen. Axel Gedaschko tauschte sich mit Alexander ­Poetzsch, Präsident des BDA, über den Gebäudetyp E und die Frage aus, wie bezahlbares, hochwertiges und ansprechendes Bauen gelingen kann.

Einigkeit bestand darin, dass es einen Mentalitätswechsel braucht: weg von immer höheren Anforderungen, hin zu klaren Mindeststandards für gutes Wohnen. Denn zusätzliche Anforderungen können Baukosten erhöhen, Planungen komplizierter machen und Projekte verzögern, ohne automatisch mehr Wohnqualität zu schaffen.

Die Diskussion um den Gebäudetyp E steht damit für eine größere Frage: Welche Standards sind tatsächlich notwendig, damit Menschen gut wohnen können? Und wo braucht es mehr Spielraum für wirtschaftliche Lösungen? Für die Wohnungswirtschaft ist das keine theoretische Debatte: Anforderungen können darüber mitentscheiden, ob ein Projekt realisierbar ist.

Die Platte neu denken

Zum Abschluss in Dresden führte Jonas Malzahn durch die Ausstellung „Platte Ost | West“ und gab Einblicke in deren Entstehung. Die Schau räumt mit der Vorstellung auf, die Platte sei ausschließlich ein ostdeutsches Phänomen. Großtafelbauweise wurde auch in Westdeutschland eingesetzt.

Interessant ist vor allem der Blick nach vorn: Welche Potenziale bieten die Gebäude und Quartiere heute? Wie lassen sich bestehende Strukturen weiterentwickeln? Es zeigt sich: Die Zukunft des Wohnens entsteht im Neubau ebenso wie in der Weiterentwicklung des Bestands.

Zwei Wege, ein Ziel

Die Projekte in Pirna und Dresden könnten unterschiedlicher kaum sein: Bestandssanierung, innovative Wärmeversorgung, geförderter Wohnraum und genossenschaftlicher Neubau stehen nebeneinander. Gemeinsam ist ihnen, dass die Unternehmen langfristig denken und Verantwortung übernehmen.

Die GdW-Sommertour macht auch in Sachsen deutlich: Die Wohnungswirtschaft ist bereit, in die Zukunft zu investieren. Sie modernisiert Bestände, schafft neuen Wohnraum und entwickelt technische wie soziale Lösungen. Dafür braucht sie verlässliche Rahmenbedingungen, Planungssicherheit und ausreichend Spielraum für die Lösungen vor Ort. ⇒(stie)

In Pirna berichteten Mattias Staude und Angela Walter (Mitte) über das Neubauprojekt der Wohnungsgenossenschaft. Mit dabei waren u.a. auch Steffen Jäckel (WiD), Dirk Perner (WGP) und Alexander Müller (4. v. l.) sowie Axel Gedaschko, Mirjam Philipp und Sören Sander (3., 2. und 1. v. r.).

Foto: VSWG

Holger Helzel, Mirjam Philipp, Axel Gedaschko und Alexander Müller beim Neubau in der Döbraer Straße in Dresden (v. l.)

Foto: GdW

Alexander Poetzsch, Mirjam Philipp, Axel Gedaschko und Alexander Müller beim Austausch über den Gebäudetyp E und die Rahmenbedingungen für gutes Wohnen und Bauen (v. r.)

Foto: VSWG

Der „Affordable Housing Act“ der EU-Kommission ist da – und der GdW bringt es auf den Punkt: Richte Stoßrichtung, aber noch kein Game Changer für den Wohnungsbau. 🏗️🇪🇺 Erstmals benennt die EU das Kernproblem glasklar: Es fehlt an Angebot! Dass Themen wie die Beschleunigung von Genehmigungen, modulares Bauen und die Aktivierung von Leerstand in den Fokus rücken, ist ein starkes Signal und ein wichtiger Erfolg für die Wohnungswirtschaft. Aber: Der Entwurf greift an entscheidenden Stellen zu kurz. Während die Nachfrageseite (wie Kurzzeitvermietungen und Zweitwohnsitze) verbindlich reguliert wird, bleiben die echten Hebel für mehr Wohnungsbau in Deutschland – Baukosten, Zinsen, Fachkräftemangel und zu lange Genehmigungen – oft nur unverbindliche Empfehlungen. Damit aus der Initiative ein echter Durchbruch wird, braucht es mehr Verbindlichkeit:  🔹 Maximale Genehmigungsfristen mit Genehmigungsfiktion (nach dem Vorbild der Erneuerbare-Energien-Richtlinie)  🔹 Europäische Vereinfachung technischer Baunormen zur Senkung der Baukosten  🔹 Erweiterte beihilferechtliche Spielräume für kommunale und genossenschaftliche Wohnungsunternehmen  🔹 Wirtschaftlich tragfähige Ausgestaltung energetischer Sanierungspflichten https://www.wohwi.online/

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