Zukunftsfähiges Bauen & bezahlbarer Klimaschutz: Sommerfachreise des GdW-Präsidenten in Baden-Württemberg
Tag 1: Neubau, Umnutzung und Wohnraumerweiterung
Den Auftakt der Reise bildete ein Besuch bei der Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG). Im Fokus stand das Leuchtturmprojekt „Energie-Plus-Quartier“ am Prießnitzweg in Bad Cannstatt – ein in modularer Holzbauweise errichtetes Wohnquartier für Mitarbeitende des Klinikums Stuttgart mit 329 Wohneinheiten. Das Projekt erfüllt den KfW-40-Plus-Standard und setzt auf serielle Fertigung, Photovoltaik, Wärmerückgewinnung und Wärmepumpentechnologie – ein gelungenes Beispiel für ganzheitlich nachhaltiges Bauen.
Samir M. Sidgi und Wolf Gieseke, die beiden Geschäftsführer der SWSG, präsentierten das Projekt gemeinsam mit Dr. Mathieu Riegger, der die Klimastrategie der SWSG vorstellte und die zentralen Elemente des unternehmensweiten Klimakonzepts erläuterte. Auch Prof. Dr. Werner Sobek, Mitbegründer der Initiative „Praxispfad CO₂-Reduktion im Gebäudesektor“, war vor Ort und brachte seine Perspektive zur Rolle des Bauwesens in der Energiewende ein.

Anschließend besichtigte die Delegation das umgenutzte ehemalige Bürgerhospital, das nun 136 bezahlbare Wohnungen und einen sechsgruppigen Kindergarten beherbergt. Das Projekt wurde im Sommer 2024 fertiggestellt. Die vorhandene Wärmeversorgung über die Fernwärme wurde beibehalten und auf dem Dach wird eine Photovoltaik-Anlage installiert. Die Wohnungen werden ab einem Quadratmeterpreis von neun Euro vermietet.

Dritte Station war das Projekt „Neues Wohnen am Molchweg“ der Landes-Bau-Genossenschaft Württemberg (LBG). Die LBG-Vorstände Antje Durach und Josef Vogel stellten das Projekt vor, das eindrucksvoll zeigt, welches Potenzial in Bestandsquartieren liegt. Im Fokus steht hier die Wohnraumschaffung durch Nachverdichtung in einem typischen 60er-Jahre-Bestand. Durch kluge Nutzung bestehender Freiflächen kann die Wohnfläche um beeindruckende 155 Prozent – von 5.120 Quadratmeter auf 13.040 Quadratmeter – gesteigert werden. Die Umsetzung erfolgt bewusst in mehreren Bauabschnitten – nach dem Prinzip „Lernen durch Machen“. Dadurch sammelt die Genossenschaft wertvolle Erkenntnisse für künftige Vorhaben. Ziel ist es, aus diesem Projekt ein übertragbares System zu entwickeln, das deutschlandweit Anwendung finden kann. Der zweite Bauabschnitt mit 38 Wohnungen, darunter 15 Sozialmietwohnungen, wird Ende 2025 bezugsfertig.

Der Tag endete mit einem Abendessen und fachlichem Austausch mit Vertretern der regionalen Arbeitsgemeinschaften in Stuttgart.
Tag 2: Klimaschutz im Bestand
Am zweiten Tag der Fachreise stand Heidelberg im Mittelpunkt. Bei der Gesellschaft für Grund- und Hausbesitz mbH Heidelberg (GGH) stellten GGH-Geschäftsführer Peter Bresinski und Projektleiterin Kirsten Staemmler das Forschungsprojekt „Pfaffengrund“ vor, das in Kooperation mit der TU München durchgeführt wird. Ziel ist es, an sieben Bestandsgebäuden unterschiedliche Sanierungsstrategien zu testen und zu bewerten. Im Fokus steht die Frage: Wie werden unsere Bestände klimaneutral, ohne die Mieter finanziell zu überfordern? Denn obwohl in Deutschland jedes Jahr Milliarden in die energetische Sanierung gesteckt werden, stagnieren die CO₂-Einsparungen seit Jahren. Das Forschungsprojekt im Pfaffengrund liefert hierfür wichtige Erkenntnisse und Impulse für eine zukunftsfähige Sanierungsstrategie

Das letzte Projekt der Sommerfachreise führte die Delegation zum Wieblinger Weg in Heidelberg. Dort realisiert die GGH 99 Wohnungen für Beschäftigte des Universitätsklinikums – in modularer Holzhybridbauweise. Das Projekt verbindet ressourcenschonendes, CO₂-speicherndes Bauen mit sozialer Verantwortung und kurzen Wegen zum Arbeitsplatz.

Abgerundet wurde der zweite Tag durch einen fachlichen Austausch mit Vertretern der Regionalen Arbeitsgemeinschaft im Raum Heidelberg/Rhein-Neckar Im Gespräch wurde deutlich: Die Fragen bezahlbarer Klimaschutz, realistischer Sanierungsstrategien und sozial verträglicher Wohnraumentwicklung stehen bei den Mitgliedsunternehmen ganz oben auf der Agenda. (zeis)
Weitere Impressionen der Reise finden Sie in unserer Mediathek.