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Wie digitale Tools das Wohnen verbessern

Mühlhausen/Berlin – In der zweiten Folge von Staffel 3 der Videoreportage „Bei uns ist Zuhause" geht es um digitale Anwendungen. Bezahlbarer Wohnraum ist in Deutschland knapp, die Kosten steigen und es wird zu wenig gebaut. In dieser angespannten Situation eröffnet die Digitalisierung neue Wege, genau diese Probleme anzugehen. Wie konkret das aussehen kann, zeigt ein Blick nach Mühlhausen – und in eine Branche im Wandel. Weniger als zehn Kilometer vom Mittelpunkt Deutschlands entfernt findet sich ein Musterbeispiel der Digitalisierung im Bereich „Wohnen“: in Mühlhausen, einer 36.000-Einwohner-Stadt in Thüringen.

7. September 2026
Folge 2 Bild 2

In der ehemaligen Reichsstadt, deren Geschichte bis ins 9. Jahrhundert zurück reicht, treffen Mittelalter und Hightech aufeinander. Ein komplettes Stadtgebiet wurde dort digitalisiert. „Wir sind als Modellkommune ‚Smart City‘ – und dadurch haben wir die Möglichkeit bekommen, ein ganzes Stadtgebiet als digitalen Zwilling abzubilden“, erklärt Frank Spangenberg, Geschäftsführer der Städtischen Wohnungsgesellschaft Mühlhausen (SWG). Was abstrakt klingt, hat einen ganz praktischen Nutzen: Gebäude, Infrastruktur und Daten werden in einem virtuellen 3D-Modell zusammengeführt. Der digitale Zwilling hilft nicht nur der Stadtplanung, sondern auch im Alltag der Wohnungswirtschaft. Prozesse wie Vermietung der Wartung werden schneller und effizienter.

Digitalisierung wird zur Gemeinschaftsaufgabe

Solche Anwendungen sind längst kein Einzelfall mehr. Im Kompetenzzentrum DigiWoh der Wohnungswirtschaft vernetzen sich über 280 Akteure der Branche, um digitale Lösungen voranzutreiben. Projektmanagerin Judy Miedreich beschreibt die Entwicklung: „Insbesondere die administrativen Bereiche werden digitalisiert.“ Smarte Mieter-Apps und das automatisierte Bearbeiten von Anliegen gehören zunehmend zum Standard. Auch wirtschaftlich zahlt sich das aus. Judy Miedreich betont dabei den doppelten Effekt: Wenn Mitarbeitende nicht mehr für jeden Vorgang extra hinausfahren müssen, profitiere „das Wohnungsunternehmen, aber natürlich auch der Mietende“, etwa über geringere Nebenkosten.

Der digitale Zwilling.

Zwischen Aufbruch und politischen Bremsklötzen

Doch die Digitalisierung geht noch weiter. Für Timo Wanke, Experte für Digitalisierung bei der sozial orientierten Wohnungswirtschaft, ist die Richtung klar: „Manche sind schon weiter auf diesem Weg, entwickeln beispielsweise KI-Agenten für die Kommunikation mit den Mietenden, andere schaffen gerade die digitalen Grundlagen“, sagt er. Für Mietende werde Digitalisierung dann unmittelbar spürbar, wenn sie „bessere Erreichbarkeit – rund um die Uhr“ bekommen oder über Smart-Energy-Lösungen Heizkosten senken können. Unternehmen wiederum könnten mehr Wohnungen bewirtschaften und ihren Bestand effizienter verwalten. Timo Wanke nennt aber auch die Bremsen: veraltete Regeln, Hürden bei Verbrauchsdaten, Hemmnisse beim Glasfaserausbau. Seine Wünsche an die Politik sind entsprechend deutlich: weniger Papier-, mehr echter Datenaustausch, sowie mehr Mut zu Innovationen.

KI und smarte Systeme im Einsatz

Ein besonders greifbares Beispiel liefert die Praxis: tausende vernetzte Aufzüge bei VONOVIA. „Hier werden Sensoren in die Aufzüge eingebaut, die Daten in einer App gebündelt, dann ausgewertet und Prognosen abgeleitet, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Aufzug in naher Zukunft ausfallen könnte“, erklärt Tobias Gerling von Dr. Schönberger GmbH / Vonovia. Der Vorteil: Reparaturen können besser geplant und Ausfälle so vermieden werden. Inzwischen seien im eigenen Bestand zirka 4.700 Aufzugsanlagen mit dieser Technik ausgestattet. Auch für Wilhelm Köhler, Leiter IoT bei Vonovia, sind die vernetzten Aufzüge ein gutes Beispiel für den unmittelbaren Nutzen der Digitalisierung. KI spiele ebenfalls eine wachsende Rolle: Mit großen Datenmengen aus unterschiedlichsten Anlagen lassen sich Predictive Maintenance Modelle entwickeln, die vorausschauend Wartungen gezielter und kosteneffizienter planbar machen.

Wichtig für Köhler: Es geht nicht nur um Aufzüge, sondern darum, „Gebäude zum Sprechen zu bringen“. Gaszentralheizungen, Fernwärme‑Stationen, Wärmepumpen und PV‑Anlagen werden ebenfalls angebunden, sodass Betriebszustände aus der Ferne überwacht und gesteuert werden können. Solche Lösungen ermöglichen nicht nur Fehlererkennung, sondern auch Echtzeit‑Optimierung der Anlagen und Energieeinsparungen für Mieterinnen und Mieter. Um beim Thema voranzukommen, brauche es aber auch die richtigen Bedingungen: ausreichende Rechenkapazitäten, klares Datenschutz‑Handling und vor allem Vertrauen in neue Technologien.

Die Beispiele zeigen: Digitalisierung ist in der Wohnungswirtschaft kein Zukunftsthema mehr, sondern Realität. Sie sorgt dafür, dass vorhandener Wohnraum schneller vermietet, günstiger bewirtschaftet, intelligenter gewartet und für Mieter verlässlicher organisiert wird.

Jetzt reinschauen unter
www.gdw.de/bei-uns-ist-zuhause

Der „Affordable Housing Act“ der EU-Kommission ist da – und der GdW bringt es auf den Punkt: Richte Stoßrichtung, aber noch kein Game Changer für den Wohnungsbau. 🏗️🇪🇺 Erstmals benennt die EU das Kernproblem glasklar: Es fehlt an Angebot! Dass Themen wie die Beschleunigung von Genehmigungen, modulares Bauen und die Aktivierung von Leerstand in den Fokus rücken, ist ein starkes Signal und ein wichtiger Erfolg für die Wohnungswirtschaft. Aber: Der Entwurf greift an entscheidenden Stellen zu kurz. Während die Nachfrageseite (wie Kurzzeitvermietungen und Zweitwohnsitze) verbindlich reguliert wird, bleiben die echten Hebel für mehr Wohnungsbau in Deutschland – Baukosten, Zinsen, Fachkräftemangel und zu lange Genehmigungen – oft nur unverbindliche Empfehlungen. Damit aus der Initiative ein echter Durchbruch wird, braucht es mehr Verbindlichkeit:  🔹 Maximale Genehmigungsfristen mit Genehmigungsfiktion (nach dem Vorbild der Erneuerbare-Energien-Richtlinie)  🔹 Europäische Vereinfachung technischer Baunormen zur Senkung der Baukosten  🔹 Erweiterte beihilferechtliche Spielräume für kommunale und genossenschaftliche Wohnungsunternehmen  🔹 Wirtschaftlich tragfähige Ausgestaltung energetischer Sanierungspflichten https://www.wohwi.online/

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