Ungelsheim als Blaupause: Innovative Energieversorgung im historischen Quartier

Benjamin Gaidel (Rheinwohnungsbau), Paul Hock (Green Fusion) und Thomas Hummelsbeck (Rheinwohnungsbau) (v. l.)
Umsetzung im Bestand und praktische Erfahrungen
Die Umsetzung erfolgt im bewohnten Bestand und wird strukturiert in mehrere Einheiten gegliedert. Insgesamt wird das Quartier in 15 Subquartiere unterteilt, die sich in unterschiedlichen Phasen der Umsetzungsplanung befinden. Diese Gliederung ermöglicht eine schrittweise Transformation sowie eine gezielte Steuerung der Maßnahmen. In den Gebäuden an den Straßen Zur Dieplade und Harzburger Straße sind die baulichen Maßnahmen bereits abgeschlossen, während die Außenanlagen noch fertiggestellt werden. In weiteren Bereichen rund um Harzburger Straße und Sandmüllersweg sind Rohbau, Fassaden und Balkone abgeschlossen; der Innenausbau befindet sich aktuell in Umsetzung. Technisch basiert die Quartiersentwicklung auf einem integrierten Energiesystem. Dazu gehören Photovoltaikanlagen mit Elektro-Speichern, Wärmepumpen mit Heizungswasser sowie digitale Mess- und Steuerungstechnik, die eine Verknüpfung von Strom- und Wärmeversorgung im Quartier ermöglichen. Die baulichen Maßnahmen erfolgen im laufenden Betrieb und mit möglichst geringen Eingriffen in die Gebäudestruktur. Ergänzend wurde ein Quartierstreff errichtet, der als zentraler Ort für Begegnung und soziale Angebote dient.

Zwischenstand
Die Arbeit zahlt sich aus: Im Jahr 2025 wurden über 11.200 Quadratmeter Wohnfläche von gasbasierter Versorgung auf Wärmepumpentechnologie umgestellt. Zudem wurde die Menge an Photovoltaikanlagen auf eine Gesamtleistung von rund 1.700 kWp auf 76 Dachflächen ausgebaut. Die daraus resultierende Stromproduktion lag im Jahr 2025 bei rund 845.000 kWh. Von 470 möglichen Wohnungen haben sich rund 50 Prozent der Bewohner für den CO2-neutralen Rheinwohnungsbau-Strom entschieden.
Übertragbarkeit auf andere Quartiere und Auszeichnungen
Duisburg-Ungelsheim ist als Modellquartier angelegt, dessen Struktur und Vorgehensweise auf weitere Bestände übertragbar ist. Insbesondere die Aufteilung in Subquartiere sowie die schrittweise Umsetzung ermöglichen es, Maßnahmen skalierbar zu entwickeln und Erfahrungen systematisch zu nutzen.
Die Vorbildfunktion des Projekts wird auch extern bestätigt. Das Quartier wurde mehrfach ausgezeichnet und gilt als Referenzprojekt für integrierte Quartiersentwicklung. Besonders hervorzuheben ist die Auszeichnung bei den ODH Quartier Awards 2025, bei denen Duisburg-Ungelsheim in den Kategorien „Integration“ und „Innovation“ prämiert wurde. Die Kategorie „Integration“ berücksichtigt sowohl technische Aspekte wie Energiemanagement und Netzintegration als auch soziale Komponenten wie Partizipation und Angebote im Quartier. Die Kategorie „Innovation“ bewertet unter anderem den Einsatz gekoppelter Technologien und neue Ansätze in der Energie- und Infrastrukturentwicklung.
Darüber hinaus wurde ein Teilbereich des Quartiers als KlimaQuartier.NRW ausgezeichnet und steht exemplarisch für klimafreundliche Quartiersentwicklung: Das Quartier Duisburg-Ungelsheim zeigt, wie die energetische Transformation eines Bestandsquartiers strukturiert umgesetzt werden kann. Die Kombination aus schrittweiser Umsetzung, technischer Integration und sozialer Begleitung führt zu messbaren Fortschritten bei der CO2-Reduktion. Als Modellprojekt liefert Ungelsheim damit eine belastbare Grundlage für die Übertragung der entwickelten Ansätze auf weitere Quartiere.
Die Effekte im Rheinwohnungsbau Gesamtbestand
Die bisherigen Maßnahmen zeigen messbare Fortschritte. Der Umstellung von gasbasierter Versorgung auf Wärmepumpentechnologie wurden weitere 4.300 Quadratmeter im Düsseldorfer Bestand auf CO2-neutrale Fernwärme umgerüstet.
Auch das Mieterstrom-Angebot von EINHUNDERT auf den Dachflächen wurde weiter ausgebaut. Mittlerweile wird auf 119 Dächern CO2-neutraler Strom produziert und dieser den Bewohnern angeboten. Im Jahr 2025 wurden über 1.100.000 kWh Strom erzeugt. Für die Nutzung dieses Angebotes haben sich bereits circa 30 Prozent der betroffenen Mieter entschieden.
Trotz eines höheren Heizbedarfs konnte der spezifische Ausstoß so um rund 4 Prozent reduziert werden – von 16,5 auf 15,83 Kilogramm CO2 pro Quadratmeter Wohnfläche.