Teurer Weg zum Klimaziel – BEG-Förderung braucht sozial- und klimapolitische Korrektur
Die Evaluation zur BEG-Förderung zeigt: 91 Prozent der Mittel aus der Effizienzhausförderung (BEG WG) und 79 Prozent der Mittel aus der Effizienzhausförderung (BEG EM) der Förderung an private Haushalte gingen an Haushalte mit überdurchschnittlichem Einkommen.
Das bedeutet, dass der Großteil des Anteils der geförderten privaten Haushalte bei denjenigen landet, die am wenigsten auf Förderung angewiesen sind. Nur 20 Prozent der Fördermittel gingen an gewerbliche und kommunale Antragsteller, kamen also Mietern zugute. Und das, wo in Deutschland 52 Prozent der Menschen zur Miete wohnen.
„Die Förderung benachteiligt systematisch das bezahlbare Mehrfamilienhaus – also genau das Rückgrat des Wohnens in unseren Städten“, kritisierte GdW-Präsident Axel Gedaschko das Förderprogramm.
Effizienzhausstandards – der teuerste Weg zur CO₂-Einsparung
Während umfassende Sanierungen nach Effizienzhausstandard mit enormen Kosten verbunden sind – jede vermiedene Tonne CO₂ kostet im Durchschnitt 1.034 Euro, beim EH-40-Standard sogar über 2.000 Euro –, zeigen Einzelmaßnahmen, dass effektiver Klimaschutz auch bezahlbar sein kann.
Der Austausch alter Heizungen verursacht beispielsweise lediglich 97 Euro pro vermiedener Tonne CO₂, die Dämmung einzelner Bauteile liegt bei 336 Euro, und im Schnitt aller Einzelmaßnahmen belaufen sich die Kosten auf nur 132 Euro pro Tonne.
Eine Tonne CO₂-Vermeidung kostet bei Effizienzhäusern damit im Durchschnitt das Achtfache im Vergleich zum Durchschnitt der Einzelmaßnahmen Diese Diskrepanz macht deutlich: Einzelmaßnahmen erreichen mit deutlich geringerem Fördermitteleinsatz und finanzieller Belastung eine vergleichbare oder sogar bessere Wirkung als komplexe Gesamtsanierungen.
Hinzu kommt: Einzelmaßnahmen sind schneller umsetzbar, verursachen geringere Umsetzungsrisiken und lassen sich flexibler in den Bestand integrieren – besonders in vermieteten Mehrfamilienhäusern, die im Zentrum einer sozial gerechten Klimapolitik stehen sollten.
„Die Zahlen zeigen deutlich, dass der Effizienzpfad gescheitert ist. Er verschlingt Unsummen, ohne entsprechende Wirkung – das ist Steuergeldverschwendung im großen Stil. Wer weiter auf den Effizienzhausstandard setzt, entscheidet sich für den teuersten Weg zum Klimaschutz“, so Gedaschko.
Illusionen durch Rechenmodelle
Ein weiteres Problem liegt im Delta zwischen Theorie und Praxis. Die tatsächlich gemessene Endenergieeinsparung wird im Schnitt 38 Prozent geringer als zuvor berechnet angesetzt. Diese Differenz zeigt, dass aktuelle Förderstrategien stark von idealisierten Annahmen abhängen.
Es müssen also dringend mehr Evaluationen der tatsächlichen Effekte von Klimaschutzmaßnahmen durchgeführt werden, sowohl zur tatsächlichen Energieeinsparung, als auch zur tatsächlichen Treibhausgasminderung. So kann die Effizienz von Förderprogrammen verbessert werden.
Alternative „Praxispfad CO₂-Reduktion“
Der GdW plädiert für eine Neuausrichtung. Es braucht eine verstärkte Fokussierung auf Einzelmaßnahmen. Mit dieser Umstellung könnte pro EUR Förderung mehr Treibhausgasminderung erreicht werden.
Darüber hinaus sollte die Förderung vorrangig auf vermieteten Wohnraum ausgerichtet werden, da Mieter geringere durchschnittliche Einkommen aufweisen als Eigentümer.
„Die BEG-Förderung braucht eine neue Ausrichtung –hin zu mehr sozialer Gerechtigkeit und klimapolitischer Effizienz. Es braucht jetzt einen radikalen Kurswechsel – hin zum Praxispfad CO₂-Reduktion im Gebäudesektor. Nur so lassen sich CO₂-Ziele bezahlbar und sozial verträglich erreichen. Unsere Unternehmen sind bereit, diesen Weg mitzugestalten. Was es jetzt braucht, ist politischer Wille für eine echte Kurskorrektur“, so Gedaschko. (vog/zeis)