Sommertour in Norddeutschland: Bezahlbarer Wohnungsbau zwischen Innovation, Klimaschutz und Bestandserhalt
Die erste Station führte Axel Gedaschko nach Hamburg zum Projekt Vielohweg der Baugenossenschaft FLUWOG-NORDMARK, wo Vorstand Jörg Tondt und Felix Buth, Leiter Neubau, das Projekt vorstellten. Es entsteht ein vielfältiges, bezahlbares Wohnungsangebot mit klimaneutraler Energieversorgung.
Bei diesem Pilotprojekt wurde der neue Hamburg-Standard für kostengünstiges Bauen in der Praxis erprobt. Der größte Hebel für Kosteneinsparungen liegt hier im Verzicht auf Keller und Tiefgarage. Hinzu kommen geringere Deckenstärken, optimierte Trennwände und ein durchdachtes Energiekonzept. Ausgeglichen wird die geringere Zahl an Stellplätzen durch ein modernes Mobilitätskonzept mit Carsharing.
Das Ergebnis: weniger Materialeinsatz, weniger CO2 und niedrigere Baukosten. Gleichzeitig zeigen Messungen, dass die Anforderungen an den Schallschutz weiterhin erfüllt werden. Das Projekt macht deutlich, dass Berechnungen auf dem Papier allein nicht ausreichen. Neue Lösungen müssen praktisch erprobt, gemessen und weiterentwickelt werden. Dafür braucht es Mut – und diesen Mut hat die FLUWOG-NORDMARK gezeigt.
Denkmalschutz, bezahlbares Wohnen und wirtschaftliche Verantwortung auf der Veddel
Die zweite Station der Sommertour in Hamburg führte auf die Veddel zum Warmwasserblock der SAGA Unternehmensgruppe. Vorgestellt wurde das Sanierungsprojekt von SAGA-Vorstand Snezana Michaelis und weiteren Mitarbeitern des Unternehmens.
Die Sanierung des Warmwasserblocks zeigt, wie Denkmalschutz, bezahlbares Wohnen und wirtschaftliche Verantwortung miteinander verbunden werden können. Das Gebäude mit rund 160 Wohnungen aus den Jahren 1928/29 war damals das erste Gebäude auf der Veddel mit fließend warmem Wasser. Seit 2022 wurde das Gebäude in fünf Bauabschnitten denkmalgerecht saniert. Vor wenigen Wochen konnte die Sanierung abgeschlossen werden.
Besonders bemerkenswert: Trotz der komplexen Anforderungen konnten sowohl das historische Erscheinungsbild langfristig gesichert als auch wichtige bauliche und energetische Verbesserungen umgesetzt werden. Die Erfahrungen und Ergebnisse des Projekts wurden dokumentiert und werden im Museum vor Ort präsentiert. Damit zeigt das Projekt, wie historische Bausubstanz zukunftsfähig weiterentwickelt werden kann.
Ladenbeker Dreieck:
Quartiere ganzheitlich weiterentwickeln
Dritter Stopp des Hamburg-Besuchs war das Quartier Ladenbeker Dreieck. Die Baugenossenschaft Bergedorf-Bille zeigt hier, was ein ganzheitlicher Quartiersansatz in der Praxis bedeutet. Im Mittelpunkt steht nicht nur die Entwicklung einzelner Gebäude, sondern die Frage, wie Quartiere insgesamt fit für die Zukunft gemacht werden können – klimaneutral, resilient und lebenswert.
Geschäftsführer Marko Lohmann stellte vor Ort die unterschiedlichen Bausteine des Projekts vor und erläuterte, wie die Genossenschaft die Weiterentwicklung des Quartiers strategisch angeht. Ein zentraler Ansatz ist dabei, Klimaschutz, Klimaanpassung und soziale Aspekte von Beginn an zusammenzudenken.
Ein wichtiger Baustein dabei ist der Aufbau eines Nahwärmenetzes mit Geothermie. Ein wesentlicher Vorteil liegt in der extrem hohen Versorgungssicherheit und der Unabhängigkeit von volatilen Energiepreisen. Das schafft langfristig Stabilität. Auch die Klimaanpassung spielt eine wichtige Rolle. Die Erfahrungen aus dem Starkregenereignis 2018 waren ein Weckruf für die Genossenschaft. Deshalb wird zusätzlich in Regenwassermanagement, Speicherlösungen und eine naturnahe Bepflanzung investiert, die sowohl Trockenheit als auch Starkregen besser standhalten kann.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist es, die Menschen im Quartier mitzunehmen. Bewohner müssen verstehen, warum Veränderungen notwendig sind und welchen Nutzen sie langfristig bringen. Projekte wie ein Nachbarschaftsacker laden dazu ein, selbst aktiv zu werden. Das Projekt zeigt: Die Transformation unserer Quartiere gelingt dann, wenn Klimaschutz, Klimaanpassung und soziale Teilhabe gemeinsam gedacht werden.
Austausch in Schwerin und Blick auf die Herausforderungen der Regionen
Nach den Stationen in Hamburg stand am Abend ein gemeinsames Abendessen in Schwerin mit Unternehmern aus Mecklenburg-Vorpommern auf dem Programm. Der Austausch bot den Unternehmen die Gelegenheit, mit Axel Gedaschko über landes- und bundespolitische Themen zu sprechen und aktuelle Herausforderungen der Wohnungswirtschaft zu diskutieren. Mit dabei war auch Ina-Maria Ulbrich, Staatssekretärin im Ministerium für Inneres, Bau und Digitalisierung des Landes Mecklenburg-Vorpommern.

GdW-Präsident Axel Gedaschko im Gespräch mit Marko Lohmann, Geschäftsführer der Baugenossenschaft Bergedorf-Bille
Foto: VNW/Jan PriesVon der Großstadt in die Kleinstadt:
Wohnungsbau in Ludwigslust
Der zweite Tag der Tour führte von der Großstadt Hamburg in die Kleinstadt Ludwigslust. Der Wechsel zeigt eindrucksvoll: Wohnungspolitik darf nicht ausschließlich aus der Perspektive der Metropolen betrachtet werden. Ludwigslust ist als Wohnstandort attraktiv. Die Stadt liegt gut angebunden zwischen Hamburg und Berlin und ist damit für viele Menschen interessant. Entsprechend hoch ist auch hier der Bedarf an neuem Wohnraum.
Gemeinsam mit Bürgermeister Stefan Pinnow und VEWOBA-Geschäftsführer Eckhard Will besuchte die Delegation zwei eindrucksvolle Projekte. Mit dem Projekt „Wohnen im Parkviertel“ investiert die VEWOBA in attraktive und gleichzeitig bezahlbare Neubauwohnungen für die Region. Der dritte Bauabschnitt soll im April 2027 fertiggestellt werden.
Ein ganz besonderes Sanierungsprojekt ist das Prinzenpalais. Dort entstehen 31 Wohnungen mit Blick auf das Schloss. Trotz Denkmalschutz gelingt es, dringend benötigten Wohnraum zu schaffen und gleichzeitig die historische Bausubstanz zu erhalten. Sechs Wohnungen in der Remise, dem ehemaligen Pferdestall, sind bereits vermietet.
Ludwigslust macht deutlich, worüber in der Wohnungspolitik stärker gesprochen werden muss: Die Herausforderungen in den Regionen unterscheiden sich oft grundlegend von denen in den Großstädten. Wer mehr Wohnraum schaffen will, braucht Lösungen, die den Bedingungen vor Ort gerecht werden.

Andreas Breitner (VNW), Stefan Pinnow, Bürgermeister von Ludwigslust, und Axel Gedaschko (GdW) (v. l) beim Sanierungsprojekt „Prinzenpalais”
Foto: VNW/Jan PriesUnterschiedliche Wege, gemeinsames Ziel
Die Projekte in Hamburg und Ludwigslust zeigen unterschiedliche Ansätze für die aktuellen Herausforderungen der Wohnungswirtschaft. Ob kostengünstiger Neubau, denkmalgerechte Sanierung, klimaneutrale Energieversorgung oder ganzheitliche Quartiersentwicklung: Die Beispiele verdeutlichen, dass die Weiterentwicklung des Wohnens viele unterschiedliche Wege kennt. Entscheidend ist, Lösungen praktisch zu erproben, Erfahrungen zu sammeln und die jeweiligen Rahmenbedingungen vor Ort zu berücksichtigen. ⇒