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Sanieren, aber bezahlbar: Der Praxispfad als Alternative zum Effizienz-Maximum

Berlin – Mit dem Start der neuen Bundesregierung aus CDU/CSU und SPD nimmt auch die Debatte um bezahlbaren Klimaschutz im Gebäudesektor wieder Fahrt auf. Und die zentrale Herausforderung bleibt: Wie lassen sich Klimaziele im Gebäudebereich erreichen, ohne Mieter, Eigentümer und öffentliche Haushalte finanziell zu überfordern?

15. Mai 2025
Praxispfad CO2-Reduktion

Die Initiative „Praxispfad CO₂-Reduktion“ liefert einen konkreten Vorschlag. Ihr Modell zeigt: Es geht auch anders – mit geringeren Kosten und höherer Umsetzbarkeit.

Aktuelle Pfade führen in die Kostenfalle

Laut aktuellen Berechnungen der Initiative belaufen sich die erforderlichen Investitionen für energetische Sanierungen bis 2045 auf insgesamt 5,26 Billionen Euro, wenn der bestehende Energieeffizienzpfad fortgesetzt wird. Dies entspricht jährlichen Investitionen von 263 Milliarden Euro und einem öffentlichen Förderbedarf von 50 Milliarden Euro pro Jahr. Zum Vergleich: Der Bundeshaushalt für 2024 lag bei 476,81 Milliarden Euro.

Die Folgen wären explodierende Kosten für Eigentümer und Mieter, eine Überlastung der öffentlichen Haushalte und ein Scheitern der sozialverträglichen Energiewende. Zudem würden diese erheblichen Investitionsbedarfe bei Unternehmen und Bauherren Verweigerungsstrategien mit sich bringen, da hohe Kosten für Sanierungen langfristige Investitionen unattraktiv machten.

Ein solcher Pfad droht nicht nur die staatlichen Kassen zu sprengen, sondern auch Investoren und Bauherren zu überfordern. Die Folge: Stillstand. Schon heute liegt die jährliche Sanierungsquote bei nur 0,7 Prozent. Benötigt würden rund zwei Prozent, um die Klimaziele zu erreichen.

Der Praxispfad: Realistischer, bezahlbarer, wirksamer

Die Initiative schlägt deshalb einen alternativen Weg vor – den Praxispfad CO₂-Reduktion. Das Modell setzt nicht auf maximale Effizienzstandards um jeden Preis, sondern auf emissionsarme Technologien und ein kluges Verhältnis von Aufwand und Nutzen.

Der Unterschied ist enorm: Mit dem Praxispfad würden die Investitionskosten auf 1,92 Billionen Euro sinken – also um mehr als 60 Prozent. Auch der Förderbedarf würde auf 18 Milliarden Euro pro Jahr schrumpfen.

Fünf Prinzipien für bezahlbaren Klimaschutz

Der Praxispfad basiert auf fünf Kernforderungen:

1. Emissionsfreie Wärmeversorgung: Fossile Energieträger müssen zügig durch emissionsfreie Technologien wie Wärmepumpen, „grüne“ Wärmenetze und die Nutzung industrieller Abwärme ersetzt werden. Der Ausbau erneuerbarer Energien auf Gebäude- und Quartiersebene wird hierbei priorisiert, wie bilanzielle Ansätze auf der Ebene von Gebäudeflotten und Quartieren im Allgemeinen und hier insbesondere die gebäudeübergreifende bilanzierbare Nutzung von Solarenergie.

2. Maßvolle energetische Sanierung: Statt kostspieliger und extrem hoher Sanierungsstandards fordern die Experten eine Sanierung mit Augenmaß, bei der mit überschaubarem Aufwand und einem optimierten Kosten-Nutzen-Verhältnis bereits wesentliche CO2-Reduktionen erzielbar sind.

3. Effiziente Wärmepumpen-Nutzung: Moderne Wärmepumpen sind bereits für teilsanierte (ab EnEV 2002) oder moderat sanierte Gebäude (z.B. EH 115 / 100) geeignet, was den Sanierungsdruck mindert und trotzdem eine klimaneutrale Wärmeversorgung ermöglicht.

4. Einführung eines Emissionsminderungspfads: Statt unübersichtlicher Regelungen bis ins Detail plädieren die Wissenschaftler für einen verbindlichen Emissionsminderungspfad bis 2045, der klare Treibhausgas-Emissionen für den Gebäudesektor setzt und durch eine unabhängige Emissionsagentur überwacht wird.

5. Förderung von Bestandserhalt und Kreislaufwirtschaft: Die Genehmigung aller zukünftigen Baumaßnahmen (Neubau, Um- und Weiterbau) muss an einen maximal zulässigen CO2-Ausstoß pro Quadratmeter Nutzfläche in Errichtung und Betrieb 3 gekoppelt werden, der einem Minderungspfad folgend bis zum Jahr 2045 auf Netto-Null sinkt. Bei der Sanierung werden nicht die berechneten, sondern die tatsächlich eingesparten CO2-Emissionen gefördert. Bestand und Sekundärmaterialien werden hierbei rechnerisch bevorzugt, so dass gebundene graue Energie erhalten und Abfall vermieden wird

Kurswechsel gefordert – und möglich

Die Gründer der Initiative sehen die Politik am Scheideweg: „Bleibt es beim bisherigen Kurs, werden wir die Sanierungsziele verfehlen und die Energiewende im Gebäudesektor scheitern. Der Praxispfad zeigt dagegen, dass ambitionierter Klimaschutz auch sozial und wirtschaftlich tragfähig sein kann.“

🏗️ EXPO REAL 2026: Jetzt müssen die Weichen fürs Wohnen neu gestellt werden Der Start der @[EXPO REAL (Messe München)] zeigt deutlich: Die Lage für die Wohnungs- und Immobilienwirtschaft bleibt äußerst angespannt. Hohe Bau- und Finanzierungskosten bremsen den Neubau, Sanierung und Klimaschutz stellen die Unternehmen vor enorme Investitionen – und die Förderbedingungen haben sich in wichtigen Bereichen zuletzt sogar weiter verschlechtert. Umso wichtiger ist die Botschaft aus den vielen Diskussionsrunden und Gesprächen auf der Messe: Die #Wohnungswirtschaft will bauen, modernisieren und beim Klimaschutz vorankommen. Dafür braucht sie aber Rahmenbedingungen, unter denen #Investitionen wieder möglich werden und Wohnen bezahlbar bleibt. In verschiedenen Podiumsdiskussionen haben die GdW-Vorstände @[Axel Gedaschko] und @[Ingeborg Esser] deutlich gemacht, wo angesetzt werden muss: 🏠 Einfacher und günstiger bauen: Der #GebäudetypE beziehungsweise ein bezahlbarer #Basisstandard muss endlich rechtssicher möglich werden – ohne Abstriche bei Sicherheit und Qualität, aber mit weniger überzogenen Standards und Normen. Wir müssen wieder zu Kosten bauen können, die zu den Geldbeuteln der Menschen passen. 🌱 #Klimaschutz bezahlbar machen: Entscheidend ist nicht die theoretisch letzte eingesparte Kilowattstunde, sondern möglichst viel CO₂-Einsparung pro investiertem Euro. Dafür brauchen wir verlässliche Förderung, mehr wirksame Einzelmaßnahmen statt immer höherer Effizienzstandards und vor allem eine konsequente Dekarbonisierung der Wärmeversorgung. Klimaschutz und Bezahlbarkeit müssen zusammen gedacht werden. ⚖️ #Investitionen ermöglichen statt immer weiter regulieren: Bei der anstehenden #Mietrechtsreform brauchen wir eine Gesamtperspektive statt regulatorischem Klein-Klein. Missbrauch muss gezielt bekämpft werden – gleichzeitig brauchen Wohnungsunternehmen Investitionssicherheit für Neubau und Modernisierung. Auch die Vergesellschaftungsdebatte ist in vielen Gesprächen und Diskussionsrunden auf der Messe präsent. Klar ist: Vergesellschaftung schafft keine einzige neue Wohnung. Statt Kapital für die Umverteilung bestehender Wohnungen zu binden, müssen wir die Voraussetzungen dafür schaffen, mehr bezahlbaren Wohnraum zu bauen und den Bestand zukunftsfähig zu machen. Die vielen Gespräche am Verbände+ Stand auf der EXPO REAL zeigen: An Ideen und Lösungsansätzen fehlt es nicht. Jetzt braucht es verlässliche Rahmenbedingungen, weniger Komplexität und eine Politik, die gemeinsam mit der Praxis dafür sorgt, dass Investitionen wieder möglich werden.

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