Neue Folgen der Videoreportage „Bei uns ist Zuhause”: Neues Heizungsgesetz, und nun?
Klimaneutrales Wohnen ist das Ziel, das die Politik vorgibt. Aber ist das machbar, bezahlbar und wie sieht das in der Realität aus? In Duisburg-Ungelsheim hat die Rheinwohnungsbau, einer der führenden Wohnungsanbieter der Region, nicht auf Antworten der Politik gewartet. Sie hat geliefert, noch während im Parlament über den richtigen Weg zur Wärmewende laut gestritten wurde.
„Wir haben unsere 130 Objekte im Quartier modernisiert, um weg vom Erdgas und hin zu einer klimaneutralen Energieversorgung zu kommen“, erklärt Benjamin Gaidel, Handlungsbevollmächtigter Bauwirtschaft bei der Rheinwohnungsbau. Das bedeutet: Photovoltaikanlagen auf die Dächer, neue Elektrotechnik, Wärmepumpen in alle Gebäude und eine KI-gestützte Energiemanagement-Software. Zudem wurden einige der Gebäude aus den 1950ern auch baulich verbessert – aber nur dort, wo es sinnvoll und notwendig war. Kellerdecken und Speicherräum erhielten zum Beispiel eine zusätzliche Dämmung, Fenster wurden ausgetauscht – ein Maßnahmenmix mit Augenmaß.

Wie sich 50 Millionen Euro für alle rechnen
In 780 Wohnungen im Quartier investierte die Rheinwohnungsbau mehr als 50 Millionen Euro. Eine große Summe, und auch ein großes Signal: Klimaschutz im Bestand ist machbar. Und er kann so umgesetzt werden, dass die Kosten für die Mieter nicht aus dem Ruder laufen. Warum? In einem zuvor unsanierten Gebäude aus dem Jahr 1958 konnten die Heizkostenvorauszahlungen durch die Sanierung von rund 75 Euro auf unter 25 Euro sinken.
Die Reaktion der Bewohnerinnen und Bewohner? „Bei den ersten Bauabschnitten gab es viel Skepsis bei den Mietern, weil sie nicht wussten, was auf sie zukommt und was passiert,“ berichtet Günter Halsband, Hauswart der Rheinwohnungsbau. Doch sobald der erste Abschnitt fertig war, kippte die Stimmung: „Dann kamen bei uns schon Anfragen: ‚Wann sind wir denn dran? Wann wird bei uns losgelegt?‘“ Auch für seine Arbeit ändert sich durch die Umstellung einiges: „Zum Beispiel ist mit den Wärmepumpen der Aufwand für Instandhaltung wesentlich weniger geworden. Sie sind weniger anfällig als Gaskessel.“ Auch das hat wiederum Auswirkung auf die Miete: Wenn weniger Wartungs- und Reparaturkosten entstehen, dann sinken auch die Nebenkosten.
Klimaneutralität muss bezahlbar bleiben
Die Duisburger Strategie folgt einer einfachen Reihenfolge: den Energieträger wechseln, die Gebäude sinnvoll verbessern und die Technik intelligent steuern. Thomas Hummelsbeck, Geschäftsführer der Rheinwohnungsbau, warnt vor einem Klimaschutz, der sich allein an Dämmstärken misst.
„Ein Bestandsgebäude mit einer 20 Zentimeter starken Wärmedämmung auszustatten, ist total übers Ziel hinausgeschossen“, sagt er. Sein Vergleich: „Das ist ungefähr so, als wenn Sie bei 20 Grad zwei Pullover anziehen und noch eine Weste dazu.“ Maßvolle Dämmung, Wärmepumpe, eigener Solarstrom und eine kluge Regelung brächten mehr als ein maximal aufgerüstetes Gebäude, das am Ende niemand mehr bezahlen kann. Denn – das ist Thomas Hummelsbeck wichtig: Die Rechnung ist nicht nur eine ökologische, sie ist auch eine soziale.
So gelingt die Wärmewende – Quartier für Quartier
Für die Wohnungswirtschaft ist das Duisburger Projekt mehr als eine lokale Sanierung. Es zeigt, wie der GdW-Praxispfad zur CO2-Reduktion im Bestand funktionieren kann: fossile Energieträger ersetzen, erneuerbare Energie vor Ort erzeugen, Effizienz mit Augenmaß steigern und die Kosten im Blick behalten. Axel Gedaschko, Präsident des GdW: „Die Rheinwohnungsbau zeigt, wie man es im alten Bestand richtig macht.“
Übergreifend setzt die sozial-orientierte Wohnungswirtschaft deshalb vor allem auf den Wechsel des Energieträgers – auf Fernwärme, sofern sie bezahlbar und tatsächlich auf dem Weg zur Defossilisierung ist, oder auf Wärmepumpen. Entscheidend bleibt, dass die Investitionen für die Unternehmen finanzierbar und die Wohnkosten für die Mieterinnen und Mieter tragbar bleiben.
Was braucht die Wohnungswirtschaft von der Politik? „Wir brauchen Beständigkeit, wir brauchen Verlässlichkeit. Das gilt insbesondere bei der Förderung.“ Abrupte Wechsel wie jüngst bei der BEG-Förderung seien „ziemlich tödlich für alle Investitionsvorhaben“. Der Praxispfad der Wohnungswirtschaft funktioniert – wenn die Rahmenbedingungen stimmen.
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