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Mehr Baugenehmigungen – aber trübe Stimmung: Dringender Handlungsbedarf beim Wohnungsbau

Berlin – Die Zahl der Baugenehmigungen in Deutschland steigt weiter. Nach aktuellen Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden im August 2026 bundesweit 20.600 Wohnungen genehmigt, 6,8 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Von Januar bis August summierte sich die Zahl auf 169.400 Wohnungen und lag damit 12,1 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Auch bei den für die Wohnraumversorgung besonders wichtigen Mehrfamilienhäusern zeigt sich mit 90.600 genehmigten Wohnungen ein Zuwachs von 14,5 Prozent. Der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW sieht darin zwar ein positives Signal, warnt aber davor, die Entwicklung mit einer tatsächlichen Erholung des Wohnungsbaus gleichzusetzen.

16. Oktober 2026
Baustelle
Foto: GdW

„Die Genehmigungen steigen, aber die Wohnungen fehlen weiterhin. Wir dürfen uns von den positiven Prozentzahlen nicht darüber hinwegtäuschen lassen, dass in Deutschland nach wie vor viel zu wenig gebaut wird. Wir brauchen jährlich rund 320.000 neue Wohnungen, darunter 100.000 Sozialwohnungen. Tatsächlich werden in diesem Jahr voraussichtlich nur rund 200.000 Wohnungen fertiggestellt. Damit fehlen allein gegenüber dem jährlichen Bedarf rund 120.000 Wohnungen. Diese Lücke verschärft die angespannte Situation auf den Wohnungsmärkten immer weiter“, sagt Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW.

Wie fragil die Entwicklung ist, verdeutlichen auch die neuen Zahlen des ifo Instituts. Demnach hat sich das Geschäftsklima im Wohnungsbau im September erneut eingetrübt und ist von minus 22,5 auf minus 25,1 Punkte gefallen. Besonders die Erwartungen der Unternehmen haben sich verschlechtert. Gleichzeitig klagen weiterhin 41,3 Prozent der befragten Unternehmen über Auftragsmangel. Der Anteil der Unternehmen, die von stornierten Aufträgen berichten, stieg von 13,4 auf 14,1 Prozent. Die Aussicht auf wieder höhere Finanzierungskosten belastet die Branche zusätzlich.

„Die ifo-Zahlen sind ein deutliches Warnsignal. Während die Genehmigungsstatistik nach oben zeigt, fehlt vielen Bauunternehmen weiterhin die notwendige Auslastung. Das ist kein Widerspruch, sondern Ausdruck des eigentlichen Problems: Solange sich der Neubau wirtschaftlich nicht rechnet, bleiben auch genehmigte Wohnungen ungebaut. Gerade unsere sozial orientierten Wohnungsunternehmen können die enorm gestiegenen Bau- und Finanzierungskosten nicht einfach auf die Mieter umlegen. Sie brauchen Rahmenbedingungen, die bezahlbare Mieten überhaupt erst möglich machen“, so Gedaschko.

Die Bundesregierung muss deshalb dringend die Voraussetzungen dafür schaffen, dass aus vorhandenen Planungen und Genehmigungen wieder tatsächlich bezahlbare Wohnungen entstehen. Ein entscheidender Hebel ist die rechtssichere Einführung eines einfachen Gebäudebasisstandards nach dem Prinzip „E wie einfach“. Damit ließen sich unnötige und kostentreibende Anforderungen abbauen und Baukosten spürbar reduzieren. Der seit Langem angekündigte gesetzliche Rahmen für den Gebäudetyp E darf nicht weiter auf sich warten lassen.

Ebenso dringend notwendig ist eine langfristig verlässliche und ausreichend ausgestattete Neubauförderung. Die jüngst beschlossene Aufstockung der EH55-Plus-Förderung bis zum Jahresende war ein wichtiger Schritt. Jetzt muss sichergestellt werden, dass keine neue Förderlücke entsteht und insbesondere der bezahlbare Mietwohnungsbau dauerhaft zu tragfähigen Konditionen finanziert werden kann. Auch die geplanten Kürzungen bei der Neubauförderung für 2027 müssen angesichts des anhaltend großen Wohnraumbedarfs dringend überdacht werden. Ergänzend sollte die Sonderabschreibung für den Mietwohnungsneubau nach § 7b Einkommensteuergesetz auch für den kostengünstigeren Effizienzhaus-55-Standard geöffnet werden.

„Deutschland braucht einen dauerhaften Aufschwung beim bezahlbaren Wohnungsbau. Dafür müssen die Baukosten endlich sinken, Förderprogramme zuverlässig funktionieren und Investitionen wieder wirtschaftlich möglich werden. Der Erfolg der Wohnungspolitik entscheidet sich nicht auf dem Papier, sondern daran, wie viele Menschen tatsächlich eine bezahlbare Wohnung beziehen können. Hier muss die Bundesregierung endlich den entscheidenden Schritt nach vorne machen“, sagt Gedaschko.

Die Investorenkonferenz der Bundesregierung am 19. und 20. Oktober bietet eine wichtige Gelegenheit, gezielt Investitionen in den Wohnungsbau anzustoßen. Entscheidend ist jedoch, dass den Gesprächen statt anhaltender Planungsunsicherheit und Diskussionen um Vergesellschaftungsphantasien konkrete Verbesserungen der wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen folgen.

Wer in eine Solaranlage investiert, soll künftig draufzahlen. Klingt paradox? Ist es auch. Mit dem aktuellen Festlegungsentwurf zur Netzentgeltreform steht ein grundlegender Kurswechsel im Raum: Betreiber von Solaranlagen sollen künftig einen zusätzlichen pauschalen Aufschlag von bis zu 165 €/Jahr zahlen – unabhängig von der tatsächlichen Netznutzung und unabhängig von der Anlagenleistung. Auch bestehende Anlagen wären betroffen. Aus Sicht der Wohnungswirtschaft ist das problematisch: Prosumer leisten über ihren zusätzlichen Netzstrombezug, etwa durch Wärmepumpe und E-Auto, bereits heute einen erhöhten Beitrag zur Netzfinanzierung. Ein pauschaler Aufschlag, der weder nach Leistung noch nach netzdienlichem Verhalten differenziert, wird dieser Realität nicht gerecht. Besonders kritisch: Im Mehrfamilienhaus würde jede Wohnung belastet und die gerade erst eingeführte Gemeinschaftliche Gebäudeversorgung damit vielfach unwirtschaftlich. Hinzu kommt der rückwirkende Eingriff in Bestandsanlagen: ein Vertrauensbruch gegenüber all jenen, die auf verlässliche Rahmenbedingungen gesetzt haben. In einem gemeinsamen Appell mit weiteren Verbänden, wie dem @[BSW – Bundesverband Solarwirtschaft e. V.] und @[Haus & Grund Deutschland e.V.] hat der GdW die @[Bundesnetzagentur] daher aufgefordert, auf einen pauschalen Prosumer-Aufschlag zu verzichten. Wenn eine zusätzliche Beteiligung unvermeidbar ist, sollte sie sich an der vereinbarten Einspeisekapazität orientieren. Verursachungsgerecht, bürokratieärmer und mit Bestandsschutz. Die Energiewende braucht Anreize, keine zusätzlichen Hürden. Den gemeinsamen Appell finden Sie hier: https://lnkd.in/eDbhd-WY #Netzentgelte #Energiewende #Photovoltaik #Wohnungswirtschaft #Energiepolitik @[BSW – Bundesverband Solarwirtschaft e. V.] @[Haus & Grund Deutschland e.V.] @[Bundesverband Erneuerbare Energie e.V. (BEE)] @[ZVEH] @[BVES Bundesverband Energiespeicher Systeme e.V.] @[DGRV] @[Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie e. V. (DGS)] @[Bundesverband Deutscher Wasserkraftwerke e.V. (BDW)] @[Bündnis Bürgerenergie]

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