Mehr als 600 Milliarden Euro Investitionsbedarf für Stromnetze
Grundlage der Berechnungen ist für die Übertragungsnetzebene der Netzentwicklungsplan 2037/45, der in Folge der Dekarbonisierung in verschiedenen Szenarien von einem wachsenden Stromverbrauch ausgeht. In dem Plan wird ein klimaneutrales Stromnetz im Jahr 2037 angestrebt. Für die Verteilnetze legen die Autoren die Netzausbaupläne der Betreiber zu Grunde, die diese alle zwei Jahre vorlegen müssen. Erweitert wurde dies mit weiteren Kostenschätzungen.
Die Autoren verweisen darauf, dass ihre Annahmen mit einigen Unsicherheiten behaftet sind. Dazu zählen sie steigende Rohstoffpreise, Engpässe bei kritischen Komponenten wie Transformatoren, dem Ausbau erneuerbarer Energien sowie mögliche Verzögerungen in den Genehmigungsverfahren. Die Ausbaukosten könnten also auch höher liegen. „Angesichts dieser Unsicherheiten ist ein beschleunigter, strategisch koordinierter Netzausbau unabdingbar, um die Ziele der Energiewende in Deutschland zu erreichen und eine klimaneutrale Stromversorgung bis 2045 zu gewährleisten“, schreiben sie.
Der Bundesverband Erneuerbarer Energien warnte davor, angesichts des in der IMK-Studie skizzierten hohen Investitionsbedarfes, den Netzausbau oder den Ausbau der erneuerbaren Energien zu verzögern. „Wird hier das Tempo nicht weiter beschleunigt, schiebt der Netzausbau die Zubauschuld weiter wie eine Bugwelle vor sich her“, so BEE-Präsidentin Simone Peter. Sie erklärte, durch Maßnahmen wie dem Überbauen von bestehenden Netzverknüpfungspunkten mit mehreren Erneuerbare-Energien-Anlagen und Speichern ließen sich die Kosten senken. Das Bundeswirtschaftsministerium hat diesen Vorschlag in der jüngsten Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes aufgenommen. Diese müsste allerdings vom Bundestag verabschiedet werden, was angesichts fehlender Mehrheit unwahrscheinlich ist. (red)