Kurzbericht des IW Köln: Der Rebound-Effekt bei der Raumtemperatur
Rebound-Effekte beschreiben das Phänomen, dass Effizienzsteigerungen nicht immer zu den erhofften Energieeinsparungen führen, sondern diese durch gegenläufige Effekte (teilweise) wieder aufgehoben werden. Von besonderer Bedeutung im Gebäudekontext ist dabei der direkte Reboundeffekt. Dieser beschreibt in der üblichen ökonomischen Definition den Anstieg der Nachfrage, zum Beispiel Raumwärme, aufgrund gesunkener Grenzkosten wie sie nach einer Sanierungsmaßnahme erfolgen und einer daraus resultierenden höheren Menge der Raumwärme.
Während Rebound-Effekte im ökonomischen Sinne auf einen gewollte Verhaltensanpassung und dadurch verringerte Einspareffekte hinweisen, verweist die Energy-Performance-Gap allgemein auf die Abweichung zwischen gemessenem Verbrauch und dem errechneten Bedarf, ohne Annahmen über die Ursache der Abweichung zu treffen. Zum Rebound-Effekt in Gebäuden gibt es zahlreiche Studien, welche die erhöhte Energienachfrage für Raumwärme nach Effizienzsteigerungen in der Regel zwischen 10 und 30 Prozent schätzen.
Temperatur und Heizkosten
Menschen fühlen sich in Innenräumen meist zwischen 18 und 24 Grad Celsius wohl. Vermieter müssen sicherstellen, dass tagsüber etwa 20 Grad und nachts 18 Grad erreicht werden können. Eine bekannte Daumenregel besagt, dass durch eine Absenkung der Raumtemperatur um 1 °C bis zu sechs Prozent an Heizenergie eingespart werden können, wenngleich diese Regel laut den Autoren mehr für Einfamilienhäuser gelten dürfte als für Wohnungen in Mehrfamiliengebäuden, wo die Einsparung auch von der Lage der Wohnung oder dem Heizverhalten der Nachbarn abhängt.
Messungen im Forschungsprojekt
Im Rahmen eines Projekts zur Heizungsregulierung wurden an drei Standorten mit unterschiedlichem Effizienzstandard von Oktober 2023 bis April 2024 regelmäßig Raumtemperaturen gemessen. Ergebnis: In energieeffizienteren Gebäuden waren die Durchschnittstemperaturen meist höher, besonders in Bad, Schlafzimmer und Küche. Das kann einerseits auf den Rebound-Effekt hindeuten, andererseits auch auf technische Faktoren wie eine gleichmäßigere Wärmeverteilung oder die Trägheit von Gebäudemassen.
Politische Schlussfolgerungen
Höhere Heizenergieverbräuche – ob gewollt oder ungewollt – seien problematisch, da Heizenergie in Deutschland noch überwiegend aus fossilen Quellen stammt. Das IW sieht in einer wirksamen CO₂-Bepreisung einen wichtigen Hebel: Sie setze klare Anreize zum Energiesparen und zur Umstellung auf erneuerbare Wärme. Zudem brauche es laut dem IW Köln neue Abrechnungsmodelle, um Investitionen im Mietwohnungsbereich fair zu gestalten. Vorschläge sehen vor, bei der Aufteilung von Modernisierungskosten stärker den tatsächlichen Heizenergiebedarf zu berücksichtigen. (hen/zeis)