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Kurzbericht des IW Köln: Der Rebound-Effekt bei der Raumtemperatur

Köln – Ein aktueller Kurzbericht des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln geht der Frage nach, ob technische Effizienzsteigerungen im Gebäudebereich tatsächlich die erhofften Energie- und CO₂-Einsparungen bringen. Anhand von Messdaten zeigt die Analyse, dass der sogenannte Rebound-Effekt – also steigender Energieverbrauch durch verändertes Nutzungsverhalten nach Sanierungen – einen erheblichen Teil der erwarteten Einsparungen zunichtemachen kann.

14. August 2025
Andrey Popov - stock.adobe.com
Andrey Popov - stock.adobe.com

Rebound-Effekte beschreiben das Phänomen, dass Effizienzsteigerungen nicht immer zu den erhofften Energieeinsparungen führen, sondern diese durch gegenläufige Effekte (teilweise) wieder aufgehoben werden. Von besonderer Bedeutung im Gebäudekontext ist dabei der direkte Reboundeffekt. Dieser beschreibt in der üblichen ökonomischen Definition den Anstieg der Nachfrage, zum Beispiel Raumwärme, aufgrund gesunkener Grenzkosten wie sie nach einer Sanierungsmaßnahme erfolgen und einer daraus resultierenden höheren Menge der Raumwärme.

Während Rebound-Effekte im ökonomischen Sinne auf einen gewollte Verhaltensanpassung und dadurch verringerte Einspareffekte hinweisen, verweist die Energy-Performance-Gap allgemein auf die Abweichung zwischen gemessenem Verbrauch und dem errechneten Bedarf, ohne Annahmen über die Ursache der Abweichung zu treffen. Zum Rebound-Effekt in Gebäuden gibt es zahlreiche Studien, welche die erhöhte Energienachfrage für Raumwärme nach Effizienzsteigerungen in der Regel zwischen 10 und 30 Prozent schätzen.

Temperatur und Heizkosten

Menschen fühlen sich in Innenräumen meist zwischen 18 und 24 Grad Celsius wohl. Vermieter müssen sicherstellen, dass tagsüber etwa 20 Grad und nachts 18 Grad erreicht werden können. Eine bekannte Daumenregel besagt, dass durch eine Absenkung der Raumtemperatur um 1 °C bis zu sechs Prozent an Heizenergie eingespart werden können, wenngleich diese Regel laut den Autoren mehr für Einfamilienhäuser gelten dürfte als für Wohnungen in Mehrfamiliengebäuden, wo die Einsparung auch von der Lage der Wohnung oder dem Heizverhalten der Nachbarn abhängt.

Messungen im Forschungsprojekt

Im Rahmen eines Projekts zur Heizungsregulierung wurden an drei Standorten mit unterschiedlichem Effizienzstandard von Oktober 2023 bis April 2024 regelmäßig Raumtemperaturen gemessen. Ergebnis: In energieeffizienteren Gebäuden waren die Durchschnittstemperaturen meist höher, besonders in Bad, Schlafzimmer und Küche. Das kann einerseits auf den Rebound-Effekt hindeuten, andererseits auch auf technische Faktoren wie eine gleichmäßigere Wärmeverteilung oder die Trägheit von Gebäudemassen.

Politische Schlussfolgerungen

Höhere Heizenergieverbräuche – ob gewollt oder ungewollt – seien problematisch, da Heizenergie in Deutschland noch überwiegend aus fossilen Quellen stammt. Das IW sieht in einer wirksamen CO₂-Bepreisung einen wichtigen Hebel: Sie setze klare Anreize zum Energiesparen und zur Umstellung auf erneuerbare Wärme. Zudem brauche es laut dem IW Köln neue Abrechnungsmodelle, um Investitionen im Mietwohnungsbereich fair zu gestalten. Vorschläge sehen vor, bei der Aufteilung von Modernisierungskosten stärker den tatsächlichen Heizenergiebedarf zu berücksichtigen. (hen/zeis)

Den Kurzbericht finden Sie unter www.iwkoeln.de im Bereich Studien

#Gebäudemodernisierungsgesetz: Mehr Flexibilität – aber wichtige Chancen bleiben ungenutzt 🏗️🌡️ Das Gebäudemodernisierungsgesetz wurde heute in zweiter und dritter Lesung im #Bundestag und anschließend im #Bundesrat beschlossen. Positiv ist, dass damit grundsätzlich wieder mehr #Technologieoffenheit und #Flexibilität geschaffen wird. Doch aus Sicht der sozial orientierten #Wohnungswirtschaft bleibt das Gesetz weit hinter den Anforderungen der Praxis zurück. Die zentralen Kritikpunkte im Überblick: ❌ Fehlender #Flottenansatz: Statt jedes Gebäude isoliert betrachten zu müssen, brauchen wir die Möglichkeit, Investitionen über Bestände und #Quartiere hinweg zu steuern. So könnten wir dort sanieren, wo jeder investierte Euro die maximale #CO₂-Einsparung bringt. ❌ Verzerrte Kostenaufteilung: Die vorgesehene pauschale Beteiligung der sozial orientierten #Wohnungsunternehmen an #Energiekosten bricht mit dem bewährten CO₂-#Stufenmodell. Unternehmen werden für Kosten in die Pflicht genommen, die sie weder verursachen noch beeinflussen können – das setzt völlig falsche Anreize. ❌ #Bürokratie-Monster statt Beschleuniger: Neue Informations-, Dokumentations- und Vorlagepflichten erhöhen den Verwaltungsaufwand massiv, statt #Modernisierungen schneller und wirtschaftlicher zu machen. ❌ #Planungsunsicherheit durch Förderkürzungen: Dass die Bundesförderung für effiziente Gebäude (#BEG) kurzfristig gekürzt wird – gerade für Mehrfamilienhäuser –, trifft genau die Unternehmen, die den sozialen Wohnungsbestand klimaneutral transformieren müssen. Zudem gilt: #Ordnungsrecht und #Förderung müssen Hand in Hand gehen. Höhere gesetzliche Anforderungen können nur dann ihre Wirkung entfalten, wenn sie von einer verlässlichen und auskömmlichen Förderkulisse begleitet werden.

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