Klimaanpassung, starke Quartiere und die Wärmewende: Sachsen-Anhalt zeigt Wege in die Zukunft
Gemeinsam mit Jessica Seja, Verbandsdirektorin des Verbandes der Wohnungsgenossenschaften Sachsen-Anhalt (VdWg), und Jens Zillmann, Verbandsdirektor des Verbandes der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Sachsen-Anhalt (VdW), besuchte Axel Gedaschko Projekte in Halle, die unterschiedliche Facetten moderner Quartiersentwicklung zeigen: von Klimaanpassung im Bestand über die Revitalisierung historischer Strukturen bis hin zu genossenschaftlichen Wohnkonzepten und der kommunalen Wärmewende.
Klimaquartier in Halle:
Klimaanpassung muss im Bestand stattfinden
Zum Auftakt stand das Klimaquartier des Bauverein Halle & Leuna im Lutherviertel auf dem Programm. Vorstand Guido Schwarzendahl zeigte, wie ein bestehendes Wohnquartier Schritt für Schritt zukunftsfähig weiterentwickelt werden kann. Im Mittelpunkt stehen dabei verschiedene Maßnahmen, die Klimaanpassung im Bestand ermöglichen: eine quartiersbezogene Wärmeversorgung, begrünte Innenhöfe, Wildblumenwiesen sowie ein intelligentes Regenwassermanagement mit Mulden und unterirdischen Speichern.
Das Projekt macht deutlich: Klimaanpassung muss vor allem im Bestand stattfinden. Denn dort befindet sich der weitaus größte Teil der Wohnungen. Maßnahmen gegen Hitze, Trockenheit und Starkregen können deshalb gerade in bestehenden Quartieren eine besonders große Wirkung entfalten.

Das Gemeinschaftsprojekt Unterplan von mehreren Wohnungsunternehmen zeigt, wie ein Quartier gemeinsam energetisch saniert und zugleich klimaangepasst, barrierefrei und gestalterisch weiterentwickelt werden kann.
Gleichzeitig zeigt das Beispiel aus Halle auch die finanziellen Herausforderungen solcher Projekte. Investitionen in Klimaanpassung lassen sich nicht allein aus den Mieten finanzieren. Sie benötigen eine verlässliche und ausreichend ausgestattete Städtebauförderung. Der Bund hat seine Mittel aufgestockt. Wichtig wäre, dass auch das Land Sachsen-Anhalt die notwendige Kofinanzierung bereitstellt. Dies bleibt jedoch aktuell aus, so dass dringend benötigte Projekte der Stadt- und Quartiersentwicklung häufig nicht umgesetzt werden können.
Am Mühlwerder: Quartiers-
entwicklung bedeutet mehr
als Gebäudesanierung
Eine weitere Station der Sommertour führte in Halle zum Wohnquartier „Am Mühlwerder“. Dort zeigte die Gesellschaft für Wohn- und Gewerbeimmobilien Halle-Neustadt (GWG), wie die Revitalisierung eines lange brachliegenden denkmalgeschützten Ensembles gelingen kann.
Geschäftsführerin Jana Kozyk stellte ein Projekt vor, bei dem es nicht nur um die Sanierung einzelner Gebäude geht. Entscheidend ist vielmehr, ein lebendiges Umfeld für die Menschen im Quartier zu schaffen. Das historische Ensemble wurde gesichert und umfassend saniert. Gleichzeitig wurde bewusst eine Gastronomie integriert – ein Angebot, das im Stadtteil lange gefehlt hatte und von den Bewohnern hervorragend angenommen wird.
Das Projekt stärkt die Verbindung zwischen der Hallenser Altstadt und den großen Wohnquartieren im Süden der Stadt. Es zeigt, wie Investitionen in historische Bausubstanz, Nahversorgung und Aufenthaltsqualität dazu beitragen können, ein gesamtes Quartier attraktiver zu machen.
Gerade Großwohnsiedlungen brauchen solche Impulse. Sie müssen attraktive Lebensräume für Menschen mit unterschiedlichen Einkommen bleiben und dürfen nicht auf einzelne Bevölkerungsgruppen reduziert werden. Dafür braucht es den Mut, Quartiere ganzheitlich weiterzuentwickeln – mit Wohnungen, Infrastruktur, Gastronomie, Grünflächen und Orten der Begegnung.
Unterplan in Halle: Gemeinsam fürs Quartier
Wie integrierte Quartiersentwicklung durch Zusammenarbeit mehrerer Wohnungsunternehmen funktionieren kann, zeigt das Projekt Unterplan in Halle. Vor Ort dabei waren Simone Danz, Geschäftsführerin der Halleschen Wohnungsgesellschaft, Matthias Kirchner, Vorstandsvorsitzender, und Dr. Thomas Schlegel, Vorstand der FROHE ZUKUNFT Wohnungsgenossenschaft, sowie Matthias Simeonow, Vorstand der Wohnungsbaugenossenschaft „Eisenbahn“.
Im Quartier wird schrittweise energetisch saniert. Dabei stimmen die beteiligten Unternehmen ihre Maßnahmen nicht nur technisch, sondern auch gestalterisch miteinander ab. Ein gemeinsames Farbkonzept sorgt dafür, dass das Quartier als zusammenhängender Stadtraum weiterentwickelt wird – unabhängig davon, welchem Unternehmen die einzelnen Gebäude gehören.
Das Projekt geht dabei deutlich über die Sanierung der Gebäudehüllen hinaus. Vorgesehen sind Dachbegrünungen und Retentionsdächer, die Entsiegelung befestigter Flächen, begrünte Fassaden, barrierefreie Eingangsbereiche sowie die Aufwertung von Vegetations-, Spiel- und Aufenthaltsflächen. Auch die Zugänglichkeit zum Saaleufer soll verbessert werden.
Das Projekt Unterplan zeigt damit beispielhaft, wie energetische Modernisierung, Klimaanpassung, Barrierefreiheit und eine höhere Aufenthaltsqualität zusammengedacht werden können. Entscheidend ist der Blick auf das gesamte Quartier – und die Bereitschaft, über Unternehmensgrenzen hinweg gemeinsam zu planen und zu handeln.
BWG Halle-Merseburg: Wohnen als Lebensmittelpunkt
Ein weiteres Highlight war der Besuch des Sozial-, Freizeit- und Dienstleistungszentrums der Bau- und Wohnungsgenossenschaft Halle-Merseburg (BWG). Die Vorstände Lutz Haake und Ekkehard Weiß gaben Einblicke in ein Genossenschaftsmodell, das weit über die reine Bereitstellung von Wohnraum hinausgeht.
Im Mittelpunkt stehen fünf Handlungsfelder, mit denen die Genossenschaft Wohnen ganzheitlich denkt: Wohnen, Service, soziales Miteinander, Freizeit und Kultur und eine nachhaltige Quartiersentwicklung.
Die BWG macht damit deutlich: Genossenschaften schaffen nicht nur Wohnungen, sondern lebendige Nachbarschaften. Gerade angesichts gesellschaftlicher und demografischer Herausforderungen sind solche ganzheitlichen Ansätze ein wichtiger Baustein für bezahlbares Wohnen und starke Quartiere.

Schwarzlicht-Minigolf im Sozial-, Freizeit- und Dienstleistungszentrum der BWG
Energiepark Halle: Gemeinsam zur Klimaneutralität
Zum Abschluss der Sommertour von Axel Gedaschko in Sachsen-Anhalt stand der Besuch des Energieparks Halle auf dem Programm. René Walther, Geschäftsführer und Arbeitsdirektor der Stadtwerke Halle, sowie Olaf Schneider und EVH-Geschäftsführer stellten die Roadmap Klimaneutralität 2045 der Energie-Initiative Halle vor. Die zentrale Botschaft: Klimaneutralität bedeutet weit mehr als Klimaschutz. Sie steht zugleich für mehr Versorgungssicherheit, größere Unabhängigkeit von fossilen Energien, stabile Preise und eine stärkere regionale Wertschöpfung.
Ein zentrales Projekt ist die kommunale Wärmeplanung, die in Halle bereits vom Stadtrat beschlossen wurde. Grundlage ist ein digitaler Zwilling der Stadt mit Daten zu allen Gebäuden. Auf dieser Basis werden Fernwärmeausbau, Stromnetze und Gebäudesanierungen aufeinander abgestimmt. Ziel ist es, den heute noch überwiegend gasbasierten Wärmesektor Schritt für Schritt zu dekarbonisieren und gleichzeitig bezahlbar zu halten.
Deutlich wurde aber auch die Dimension der Aufgabe: Allein für den Ausbau der Energieinfrastruktur rechnen die Stadtwerke mit Investitionen von rund 700 Millionen Euro in den kommenden 10 Jahren. Umso wichtiger sind langfristige Planungssicherheit, enge Partnerschaften und verlässliche politische Rahmenbedingungen.
Sachsen-Anhalt zeigt: Transformation gelingt gemeinsam
Die Stationen der Sommertour in Sachsen-Anhalt zeigen die unterschiedlichen Ebenen, auf denen die Zukunft des Wohnens gestaltet wird: im einzelnen Gebäude, im gesamten Quartier, in der Zusammenarbeit von Wohnungsunternehmen und in der Entwicklung neuer Energieversorgungssysteme. ⇒