IT-Konferenz: Künstliche Intelligenz als Chance für die Wohnungswirtschaft
Auch die Keynote „KI Made in Germany“ unterstrich diesen Anspruch. Robert Heinrich vom Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung machte deutlich: KI müsse als Chance verstanden werden. Risiken erforderten Regulierung – doch die Potenziale seien enorm. Entscheidend seien drei Faktoren: Daten, Talent und Rechenleistung. Nur wenn diese zusammenkommen, könne Deutschland im internationalen Wettbewerb bestehen.
KI „Made by GdW“ nimmt konkrete Formen an
Wie konkret die Branche diesen Weg bereits geht, zeigte der Impuls von GdW-Hauptgeschäftsführerin Ingeborg Esser. KI nimmt auch in der sozial orientierten Wohnungswirtschaft Gestalt an: WohWi-GPT befindet sich bereits in der Testphase und soll künftig das gesamte Wissen der Wohnungswirtschaft nutzbar machen – statt in hunderten Seiten Arbeitshilfen direkt im KI-Tool. KI-gestützte Agenten für Genossenschaftsprüfungen sollen Prüfer entlasten und gleichzeitig den Beruf attraktiver machen – ein wichtiger Baustein für den Nachwuchs. Der Fokus verschiebt sich weg vom Abarbeiten von Checklisten hin zu Beratung und Gesprächen. Gleichzeitig profitieren auch die geprüften Unternehmen: Schwachstellen lassen sich schneller erkennen, Prozesse effizienter gestalten. Auch die Statistik-KI zeigt das Potenzial: Rund 36.000 Datensätze werden im Rahmen der GdW-Jahresstatistik ausgewertet – eine ideale Grundlage für einen leistungsfähigen KI-Prototypen mit echtem Mehrwert für die Branche.
Ergänzt wird dies durch die Arbeit des Kompetenzzentrums Digitalisierung DigiWoh. Projekterfahrungen werden systematisch geteilt: über Podcasts, Workshops und Austauschformate. Entscheidend ist das Voneinander-Lernen: Was funktioniert? Was nicht? Bereits ein Drittel des GdW-Wohnungsbestandes ist inzwischen im DigiWoh vertreten.

Drei Startup-Pitches: KI in der Anwendung
Drei Startup-Pitches zeigten, wie konkret KI heute schon wirkt: Omnifact präsentierte eine datenschutzkonforme Unternehmensplattform für produktiven KI-Einsatz. EVANA AI demonstrierte, wie Dokumentenerkennung Informationen aus Verträgen und Unterlagen schnell verfügbar macht. HeyLara zeigte, wie KI im Rechnungswesen repetitive Aufgaben automatisiert. Alle Beispiele machten deutlich: KI steigert Effizienz und entlastet Mitarbeitende spürbar.
IT-Ökosysteme, Datenschutz und New Work
In vier Panels wurde anschließend vertieft, wo die größten Hebel liegen. Beim Thema Datennutzung stand im Mittelpunkt, wie KI umfangreiche Berichte und Statistiken in natürlicher Sprache zugänglich macht – ohne Spezialtools, bei kontrolliertem Datenzugriff. Das Datenschutz-Panel betonte, dass nicht die KI selbst das Problem sei, sondern der Umgang damit. Entscheidend sei eine klare Governance und die Einbindung aller Fachbereiche. Beim Datenmanagement ging es um offene IT-Ökosysteme und unabhängige Architektur, die nun in konkrete Anwendungsfälle überführt werden soll. Das vierte Panel zeigte KI-gestützte Prozessautomation: von Kündigungen über Schadensfälle bis zu Rechnungen – integriert im System selbst und besonders relevant angesichts des Fachkräftemangels.
Aus der Praxis
Neben KI rückte auch Cybersicherheit in den Fokus. Tilo Eichler von der Wohnungsgenossenschaft Wohnen Cottbus berichtete eindrücklich von einem Cyberangriff, der das Unternehmen 18 Tage lahmlegte. Die wichtigste Erkenntnis: Nicht ob, sondern wann ein Angriff kommt, ist die Frage. Vorbereitung, sensibilisierte Mitarbeitende und klare Notfallstrukturen sind zentral. Marcel Ennig und Antonia Angermann vom Berliner Unternehmen Stadt und Land zeigten ergänzend, wie Sicherheit im Alltag verankert werden kann – etwa durch Multifaktor-Authentifizierung, Compliance-Labels und eine physische IT-Notfallkarte.
IT-Sicherheit ist Chefsache
Einen wichtigen ordnungspolitischen Rahmen setzte der Beitrag von Rechtsanwältin Dr. Andrea Huber, die den Blick der Gesetzgebung auf aktuelle Entwicklungen in der IT-Sicherheit einordnete. Deutlich wurde dabei: IT-Sicherheit ist längst kein rein technisches Thema mehr, sondern eine zentrale Führungsaufgabe.
Ein weiterer zentraler Aspekt war der Umgang mit Daten selbst. Hier galt der Grundsatz: „Was nicht da ist, kann nicht gestohlen werden.“ Das bedeutet: Daten nur dort speichern, wo es wirklich notwendig ist – und konsequent löschen, was nicht mehr gebraucht wird.
Schlussappell: KI nutzen – Sicherheit mitdenken
Zum Abschluss griff GdW-Präsident Axel Gedaschko den zentralen Gedanken des Kongresses noch einmal auf und richtete den Blick auf die strukturellen Unterschiede innerhalb der Branche. Gerade kleinere Wohnungsunternehmen hätten es oft schwerer, mit der Geschwindigkeit der Entwicklung Schritt zu halten, wodurch sich die Lücke zu größeren Unternehmen weiter vergrößern könne. KI könne hier jedoch eine wichtige Rolle spielen, indem sie kleine Unternehmen unterstützt und so dazu beiträgt, diese Unterschiede zu verringern. Gleichzeitig blieb sein Appell eindeutig: Je stärker KI genutzt wird, desto wichtiger wird es, Sicherheit konsequent mitzudenken.
Der IT-Kongress zeigte damit klar: Die Wohnungswirtschaft steht an einem Wendepunkt. KI ist kein Experiment mehr, sondern Werkzeug – und wer sie jetzt strategisch einsetzt, gestaltet die Zukunft der Branche aktiv mit.
Impressionen der Veranstaltung finden Sie in unserer Mediathek.