Genehmigungsplus täuscht: Wohnungsbaukrise bleibt ungelöst
Im Mai 2026 wurde bundesweit der Bau von 21.000 Wohnungen genehmigt, wie das Statistische Bundesamt am 17. Juli 2026 meldete. Das entspricht einem Anstieg um 24,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Auch im Zeitraum von Januar bis Mai zeigt die Statistik nach oben: Insgesamt wurden 104.700 Wohnungen genehmigt und damit 15,4 Prozent mehr als in den ersten fünf Monaten des Jahres 2025. Bei Wohnungen in neuen Mehrfamilienhäusern lag das Plus bei 18,9 Prozent. Hier wurden 56.100 Einheiten genehmigt.
Für die Wohnungswirtschaft sind die Zahlen ein erfreuliches Signal, eine Trendwende beim bezahlbaren Wohnungsbau bedeuten sie jedoch noch nicht. Die Entwicklung gehe zwar in die richtige Richtung, komme aber von einem sehr niedrigen Niveau, erklärte Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW.
Gleichzeitig verschlechtert sich die Stimmung in der Branche weiter. Nach Angaben des ifo Instituts bewerten die Wohnungsbauunternehmen sowohl ihre aktuelle Geschäftslage als auch die Aussichten für die kommenden Monate zunehmend negativ. Entscheidend sei daher nicht allein, wie viele Vorhaben genehmigt würden, sondern wie viele davon tatsächlich auf den Baustellen ankämen, so Gedaschko.
Viele bereits genehmigte Projekte könnten derzeit nicht umgesetzt werden. Hohe Baupreise, gestiegene Finanzierungskosten und zusätzliche gesetzliche sowie technische Anforderungen machten Vorhaben unwirtschaftlich. Damit drohten zahlreiche Baugenehmigungen zu sogenannten Schubladenprojekten zu werden, die zwar planerisch vorbereitet sind, aber auf absehbare Zeit nicht realisiert werden.
Zahl der Fertigstellungen sinkt weiter
Die Diskrepanz zwischen Genehmigungen und tatsächlichem Neubau zeigt sich besonders deutlich bei den erwarteten Fertigstellungszahlen. Bundesweit dürften 2026 nur noch rund 200.000 Wohnungen fertiggestellt werden. Der jährliche Bedarf liegt nach Einschätzung der Wohnungswirtschaft hingegen bei etwa 320.000 Wohnungen.
Auch die sozial orientierten Wohnungsunternehmen müssen ihre Neubautätigkeit deutlich einschränken. Ihre Investitionen in den Neubau sollen 2026 voraussichtlich um rund ein Drittel zurückgehen. Statt zuvor gut 24.000 Wohnungen werden sie voraussichtlich nur noch etwa 16.000 neue Wohnungen fertigstellen. Das aktuelle Genehmigungsplus könne diesen Einbruch nicht annähernd ausgleichen, warnt der GdW.
Bauen muss wieder wirtschaftlich werden
Damit aus steigenden Genehmigungszahlen tatsächlich zusätzliche bezahlbare Wohnungen entstehen, fordert die Wohnungswirtschaft grundlegende Verbesserungen der Rahmenbedingungen. Notwendig sind vor allem langfristig verlässliche Förderprogramme, niedrigere Bau- und Finanzierungskosten, schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie stärkere Anreize für kostengünstige Bauweisen.
Als positiven Schritt bewertet der GdW die jüngste Verbesserung der EH55-Förderung. Bereits abgeschlossene Verträge mit Generalunternehmern führen künftig nicht mehr automatisch dazu, dass ein Projekt von der Förderung ausgeschlossen wird. Der Verband hatte sich für diese Änderung eingesetzt.
Die Anpassung könne dazu beitragen, weitere bereits geplante Bauvorhaben wirtschaftlich umzusetzen. Sie allein werde jedoch nicht ausreichen, um den Abwärtstrend im Wohnungsbau zu stoppen. Nach Ansicht des GdW müssen nun weitere konkrete Maßnahmen folgen, damit mehr genehmigte Projekte tatsächlich realisiert und schneller bezugsfertig werden. (schi)