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„Es darf sich keine ideologische Denkweise einstellen“ – Interview mit Franz-Bernd Große-Wilde

Düsseldorf/Berlin – Seit über 20 Jahren engagiert sich Franz-Bernd Große-Wilde im GdW und im VdW Rheinland Westfalen für Wohnungsgenossenschaften. Im GdW ist er Verbandsratsvorsitzender und im VdW war er zuletzt Vorsitzender der Genossenschaftssparte. Im Zuge seines Wechsels in die Geschäftsführung einer GmbH legt er in einem Interview dar, wie ihn der Genossenschaftsgedanke weiterhin prägen wird – und in welche Richtung sich Wohnungsgenossenschaften künftig verändern müssen, um sich zukunftsweisend aufzustellen.

12. März 2025
Roland Baege
Franz-Bernd Große-Wilde Seit 2006 Vorstandsvorsitzender der Spar- und Bauverein eG Dortmund. Im GdW ist er seit ???? Verbandsratvorsitzender.Roland Baege

Herr Große-Wilde, Sie engagieren sich seit langer Zeit für Wohnungsgenossenschaften und wechseln nun in eine GmbH – was nehmen Sie gedanklich aus der Welt der Genossenschaften mit?

Große-Wilde: Genossenschaften sind werteorientiert. Und sich mit Werten auseinanderzusetzen, nicht aber ideologisch, sondern in einer angemessenen Art und Weise, nehme ich auf jeden Fall mit. Mir geht es weiterhin darum, Werte zeitgemäß umzusetzen und zu leben. Auch die Langfristigkeit und Nachhaltigkeit, mit der Genossenschaften in die Zukunft blicken und nach der sie ihr Portfoliomanagement ausrichten, werde ich mir für die Zukunft beibehalten. Wer kurzfristige Gewinnmaximierung anstrebt oder Modetrends hinterherläuft, geht aus meiner Sicht Risiken für die langfristige Stabilität des Unternehmens ein.

Welche Werte einer Genossenschaft sprechen Sie damit genau an?

Große-Wilde: Ich meine damit vor allem die Werte Menschlichkeit und Gerechtigkeit – und damit auch Eigenverantwortung und Gemeinschaft. So wollen Menschen ja auch arbeiten – sie wollen einen gesellschaftlichen Sinn in dem sehen, was sie jeden Tag tun. Das können Genossenschaften bieten, aber auch andere Unternehmensformen – und das werde ich auch in die Aachener Siedlungs- und Wohnungsgesellschaft einbringen.

Welche genossenschaftlichen Themen haben Sie in den zurückliegenden Jahren am meisten gefordert?

Große-Wilde: Das waren zum einen Themen wie die Digitalisierung und Nachhaltigkeit, die wir auch bei der Spar- und Bauverein eG Dortmund, deren Vorsitzender ich derzeit noch bin, vorangetrieben haben. Andererseits ging es darum, eine gute Balance zwischen der Beteiligung der Genossenschaftsmitglieder und der Wirtschaftlichkeit der Genossenschaft zu finden. Man muss den Mitgliedern verständlich aufzeigen, dass manche Wünsche nicht mit der langfristigen Bestandssicherung vereinbar sind. Es geht um die Abgrenzung von Kompetenzen zwischen Haupt- und Ehrenamt und um das Eigeninteresse einzelner Personen gegenüber dem Gesamtinteresse aller Mitglieder.

Genossenschaften zeichnen sich ja allerdings durch Mitbestimmung aus.

Große-Wilde: Ja, das ist auch gut so. Aber es darf sich keine ideologische Denkweise einstellen. Das Totschlagargument zum Beispiel, dass Mieterhöhungen nicht dem Genossenschaftsgedanken entsprechen, ist falsch. Eine Genossenschaft ist auch ein wirtschaftliches Konstrukt – das jedoch nicht auf Gewinnmaximierung, sondern auf angemessenes wirtschaftliches Handeln ausgerichtet ist. Soziale, ökologische und wirtschaftliche Ziele müssen in einem ausgewogenen Verhältnis zueinanderstehen.

Sie sprechen die Ziele an. Wie ist denn klimaneutrales Wohnen für eine Genossenschaft angesichts ihrer Werte überhaupt umsetzbar?

Große-Wilde: Das ist im Prinzip die Kernfrage. Genossenschaften haben eine geringere Ertragskomponente als andere Rechtsformen, weil die Bestandsmieten niedrig sind. Dadurch ist das Verhältnis von Erträgen zu Kosten zum Teil schlechter als woanders. Außerdem verzichten wir in der Regel auf eine Portfoliobereinigung, also den Verkauf oder Abriss energetisch schlechter Gebäude. Auch der Leerzug von Gebäuden ist nicht so einfach. Wenn die Schere zwischen Kosten und Erträgen immer weiter auseinander geht, steht irgendwann die Insolvenz im Raum. Hier stellt sich die Frage, inwieweit eine Genossenschaft dem wirtschaftlichen, technischen und sozialen Wandel gewachsen ist.

Wie beantworten Sie diese Frage?

Große-Wilde: Auch hier wieder: mit Professionalisierung. Jede Wohnungsgenossenschaft muss die wirtschaftlichen Möglichkeiten und Optimierungen ausschöpfen. Sei es beispielsweise durch Digitalisierung, technische Innovationen im Bauprozess, einem strukturierten Prozessmanagement. Soziales und ökologisches Engagement setzt eben auch die wirtschaftlichen Möglichkeiten voraus, dies leisten zu können. Innovationen ausprobieren, Know-how aufbauen und Kooperationen untereinander sind für Genossenschaften unerlässlich.

Wie schwer fällt Ihnen denn der Abschied aus der Welt der Genossenschaften?

Große-Wilde: Nach 24 Jahren in genossenschaftlichen Ämtern fällt einem der Abschied natürlich schwer. Aber ich freue mich auch auf die neue Arbeit, auf eine neue Herangehensweise an wohnungswirtschaftliche Themen. Dennoch werde ich viel vom genossenschaftlichen Gedankengut mitnehmen. Denn auch bei der Aachener Siedlungs- und Wohnungsgesellschaft, einem Unternehmen mit kirchlichen Wurzeln, geht es um die Werteorientierung.

Das Interview erschien ursprünglich im Mitgliedermagazin des VdW Rheinland-Westfalen und unter www.vdw-rw.de

Am Nachmittag führte die Sommertour nach Speyer 🏘️☀️ Drei Stationen, drei unterschiedliche Ansätze – und doch verbindet sie eine Frage: Wie kann Wohnen bezahlbar, nachhaltig und gemeinschaftlich gestaltet werden? Los ging’s bei der GEWO Speyer 🏗️ In der Kurt-Schumacher-Straße entstehen drei neue Mehrfamilienhäuser mit 42 Wohnungen. Fast die Hälfte wird sozial gefördert. Dank der Förderung des Landes Rheinland-Pfalz bleibt das Mietniveau auch langfristig für mittlere Einkommen bezahlbar. Klimagerechte Bauweise, fünf barrierefreie Wohnungen – davon drei rollstuhlgerecht – und ein 200 Quadratmeter großer Gemeinschaftsraum ergänzen das Konzept. GEWO-Geschäftsführer Oliver Hanneder gab Einblicke in die Umsetzung. Nächster Stopp: @[Gemeinnütziges Siedlungswerk Speyer GmbH] 🏙️ Beim Projekt „Seppelskasten“ wurde zwischen 2019 und 2024 eine ehemalige Gewerbeimmobilie in eine moderne, weitgehend barrierefreie Wohnanlage verwandelt. Neubau und teilweise erhaltene Bestandsgebäude verbinden unterschiedliche Wohnformen. Auch eine Wohngruppe des Jugendwerks hat hier ein Zuhause gefunden. Fernwärme, Photovoltaik, begrünte Dächer und zusätzliche Grünflächen machen das Projekt auch energetisch zukunftsfähig. GSW-Geschäftsführer @[Christian Rohatyn] stellte das Projekt vor. Zum Abschluss: Mehrgenerationenwohnen bei der @[Baugenossenschaft Speyer eG] 🤝 13 Wohneinheiten, ein Gemeinschaftsraum und eine Gewerbeeinheit bilden den Rahmen für ein vielfältiges Miteinander. Auszubildende, Senioren, Familien und Alleinerziehende leben hier unter einem Dach. Der GBS-Nachbarschaftsverein sorgt mit regelmäßigen Treffen und Aktivitäten für Austausch und Unterstützung. @[Oliver Pastor] und @[Bernd Reif], Vorstände der GBS Speyer, zeigten, wie soziales Management lebendige Nachbarschaften stärken kann. Drei Projekte, drei Wege – aber eine gemeinsame Perspektive: Zukunftsfähiges Wohnen braucht Bezahlbarkeit, Klimaschutz, Barrierefreiheit und lebendige Quartiere. Speyer zeigt, wie das ganz praktisch funktionieren kann. #Sommertour2026 #Wohnungswirtschaft #Speyer #BezahlbaresWohnen #Quartiersentwicklung

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