DESWOS-Projekt in Tansania: Rechte für Kinder durchsetzen, strukturelle Armut bekämpfen
Wir können uns alle vorstellen, wie die berufliche Entwicklung von Kindern sein wird, die keine Grundbildung, keine grundlegenden Kompetenzen wie Lesen, Schreiben und Rechnen erhalten. Doch Kinder aus in Armut lebenden Familien in Tansania trifft es besonders hart.
Die Einschulungsrate ist laut UNESCO relativ hoch, doch nur etwa 66 Prozent der Jungen und 72 Prozent der Mädchen schließen die Grundschule ab. Diese sogenannten „School dropouts“ sind besonders gefährdet in Kinderarbeit ausgebeutet zu werden. Sie finden später meist nur sehr schlecht bezahlte und unsichere Jobs. Das verfestigt die Armut, ein sozialer Aufstieg ist für sie kaum möglich. Auch die Gesundheit der Kinder ist im Verlauf ihres Lebens stärker gefährdet, da sie sich nur unzureichend über Ernährung, Hygiene und Krankheiten informieren können. Der Zugang zu medizinischer Versorgung ist aufgrund von Armut begrenzt. Damit sinkt ihre Lebenserwartung deutlich. Sie beträgt in Tansania im Durschnitt nur 67,4 Jahre.
Zum Vergleich: In Deutschland ist die Lebenserwartung dank vieler Fortschritte in unter anderem der medizinischen Versorgung, Hygiene, Ernährung und verbesserter Arbeitsbedingungen inzwischen auf über 80 Jahre gestiegen. Erschwerend kommt hinzu, dass Menschen mit einem geringeren Bildungsstand sich kaum an politischen Prozessen beteiligen können. Sie können sich nur eingeschränkt für ihre Rechte einsetzen, bestehende Strukturen ändern und langfristig bessere Lebensbedingungen in einer Gesellschaft schaffen.
Aus all diesen Gründen ist das Recht auf Bildung so außerordentlich wichtig, ein allgemeines kulturelles Menschenrecht und auch im Artikel 28 der UN-Kinderrechtskonvention festgelegt. Dass Kinder dieses Recht auf Bildung auch erhalten, dafür setzt sich die DESWOS seit Jahrzenten in zahlreichen Projekten mit dem Bau von Schulen, Schulwohnheimen, Unterkünften von Lehrkräften und Vielem mehr ein.

Im aktuellen Projekt in Kilolo wird die DESWOS mit der Organisation Streetkids International und der Hilfe von Spendern mit der Eröffnung des neuen Bildungszentrums 240 Kindern die Türen zu einem anderen, selbstbestimmteren Leben öffnen. Davon profitieren auch nachfolgende Generationen weiterer Schulkinder. Wenn diese Kinder eines Tages mit einem Schulabschluss das Bildungszentrum verlassen und sich für weiterführende Schulen qualifiziert haben, werden sie deutlich bessere Voraussetzungen besitzen – für gesellschaftliche und politische Teilhabe, ein gesundes Leben und ein faires Einkommen unter sicheren Arbeitsbedingungen. Es geht uns also nicht nur um Fürsorge und sicher nicht um „Wohltätigkeit“ für Kinder in Tansania. In den Bildungsprojekten der DESWOS werden Menschen, die von struktureller Armut betroffen sind, darin unterstützt, ihre Rechte wahrnehmen zu können und Armut eigenständig zu überwinden. (mei)
