vdw-Verbandstag in Braunschweig: Neues Konzept, große Resonanz
Bei der öffentlichen Veranstaltung setzte die Verbandsdirektorin mit einer sehr politischen Rede den Ton. Ihre zentrale Forderung an Ministerpräsident Olaf Lies: Niedersachsen braucht einen Masterplan zur Wärmewende. „Ziel muss es sein, die Dekarbonisierung des Gebäudebestandes endlich effizient und sozialverträglich zu ermöglichen. Dazu sollten wir die Erkenntnisse der Initiative ‚Praxispfad CO2-Reduktion im Gebäudesektor‘ in den Mittelpunkt der Überlegungen stellen“, sagte Dr. Schmitt.
Braunschweigs Oberbürgermeister Dr. Thorsten Kornblum wollte dem nicht nachstehen und sagte: „Die Probleme am Wohnungsmarkt sind die soziale Frage unserer Zeit.“ Er sprach sich für Entbürokratisierung im Wohnungsbau aus. Das erfordere „den Mut loszulassen“. Diese Botschaft sei nicht nur an Verwaltungen, sondern auch an die politischen Gremien vor Ort gerichtet.
Im moderierten Polittalk hob der Niedersächsische Bauminister Grant Hendrik Tonne hervor: „Die Zahlen beim Wohnungsbau sind nicht zufriedenstellend.“ Dabei sei vieles angeschoben worden, etwa die neue Bauordnung oder die Wohnraumförderung. „Dennoch haben wir noch viel zu tun.“ Seine Bremer Amtskollegin Özlem Ünsal klang optimistischer und meinte: „Die Kehrtwende ist eingeleitet.“ Die Wohnraumförderung in Bremen sei bereits „maximal überzeichnet“.
GdW-Präsident Axel Gedaschko nahm insbesondere die Bundespolitik ins Visier. „Was ist da bloß los im Wirtschaftsministerium?“, klagte er. Beim Erreichen der CO2-Einsparziele seien die Bundesländer jedenfalls viel weiter als der Bund. Das gelte auch für andere Politikbereiche. Doch die Kommunikation mit der Bundesregierung und den Fachministerien bleibe ausgesprochen schwierig. Nur ein Beispiel: „Die Mietrechtskommission ist grandios gescheitert.“
Den Festvortrag hielt der Bonner Politikwissenschaftler Professor Dr. Frank Decker. Das Thema konnte aktueller kaum sein: Resignation oder neuer Aufbruch? Die Zukunft der politischen Mitte. Decker attestierte, dass die Stimmung im Land wieder einmal schlechter sei als die Lage. „Ein deutsches Spezifikum.“ Der Parteienforscher skizzierte, wie Parteien der politischen Ränder in den vergangenen Jahren immer mehr Zuspruch erfahren haben. Gründe dafür seien zahlreiche internationale Krisen, aber auch „gefühlte und reale Einbußen der Sicherheit in allen relevanten Dimensionen“. Eine Spaltung der Gesellschaft sieht Decker jedoch nicht.
Neben den politischen Debatten hielt der Verbandstag ein großes Bündel an wohnungswirtschaftlichen Fachinformationen bereit. Es gab 18 Vorträge zu branchenrelevanten Themen – von der neuen Wohnraumförderung über Digitalisierung bis hin zu serieller Sanierung und resilienten Wohnungsunternehmen. Bei der Mitgliederversammlung schließlich zogen Verbandsdirektorin Dr. Schmitt und Prüfungsdirektor Heiko Günther eine sehr positive Bilanz der Verbandsarbeit. Der anhaltende Applaus der rund 150 Teilnehmer dürfte als Beleg dafür gelten, dass die vdw-Mitgliedsunternehmen die Arbeit und das vielfältige Unterstützungsangebot des Verbandes sehr zu schätzen wissen. Der Verbandstag 2027 findet am 7. und 8. September in Bremerhaven statt.

Heiko Günther (Prüfungsdirektor), Grant Hendrik Tonne (Minister für Wirtschaft, Verkehr und Bauen in Niedersachsen), Dr. Susanne Schmitt (vdw-Verbandsdirektorin), Özlem Ünsal (Senatorin für Bau, Mobilität und Stadtentwicklung in Bremen), Axel Gedaschko (GdW-Präsident) und Andreas Otto (Vorsitzender des vdw-Verbandsrates) beim Verbandstag des vdw Niedersachsen und Bremen am 1. und 2. September 2026 (v. l.)
Foto: vdw Niedersachsen Bremen