Mitteldeutsche Zukunftstagung: Kursänderung in Sicht
Im Vorfeld der Tagung fand eine gemeinsame mitteldeutsche Sitzung der Fachausschüsse Betriebswirtschaft/Finanzierung, Klimaschutz und Nachhaltigkeit sowie Bauwesen/Technik/Energie der Verbände statt. Im Mittelpunkt standen die Themen Nachhaltigkeitsberichterstattung, Klimafahrplan und kommunale Wärmeplanung, die für die zukünftige Entwicklung der Wohnungswirtschaft von zentraler Bedeutung sind. Für den notwendigen Impuls sorgten Christian Gebhardt, Finanzierungsexperte beim Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW, sowie David Busch von Domus Consult, die mit ihren Fachvorträgen aktuelle Herausforderungen und Lösungsansätze beleuchteten. Der fachliche Austausch bot nicht nur wertvolle Erkenntnisse, sondern auch praxisnahe Ansätze für die strategische Umsetzung der Klimaziele. Insbesondere die Diskussion über regulatorische Anforderungen, technische und wirtschaftliche Machbarkeit sowie Erfahrungen aus der Praxis einiger Wohnungsunternehmen trug dazu bei, weitere Puzzlestücke auf dem Weg zu einer klimaneutralen Wohnungswirtschaft zusammenzufügen.
Zum Auftakt der Veranstaltung teilte Robert Schulze, internationaler Handballschiedsrichter, seine Rezepte für erfolgreiche Entscheidungen. Dabei gehe es vor allem um das richtige Mindset, dass man hinter seinen Entscheidungen steht und dass man klar und transparent kommuniziert und Haltung bewahrt. Wenn dies gelingt, könne man jede Herausforderung meistern und mit Freude Entscheidungen treffen. Im Anschluss fand in lockerer Atmosphäre ein Austausch zwischen den genossenschaftlichen und kommunalen Wohnungsunternehmen Mitteldeutschlands sowie zahlreichen Dienstleistern statt.
Am zweiten Tag standen zahlreiche wohnungswirtschaftliche Themen im Vordergrund, welche die Branche aktuell und in den nächsten Jahren maßgeblich beeinflussen werden. Der erste Block widmete sich dabei der nachhaltigen Zukunft. Deutlich wurde, dass das Thema aus vielen Facetten zu betrachten ist. Neben der Berichterstattung selbst, erfolgt vor allem aus der Kreditwirtschaft Druck auf die Wohnungswirtschaft. Letztlich sitzen jedoch alle Beteiligten im gleichen Boot. Ziel sollte es also sein, machbare und sinnvolle Lösungen zu erarbeiten. Wie bei allem im Leben gilt es dabei, den ersten Schritt in die richtige Richtung zu gehen – vor allem deswegen, weil die Europäische Union das Ziel der Klimaneutralität insgesamt nicht in Frage gestellt hat. In jedem Fall ist es dabei entscheidend, sich eine entsprechende Datenbasis aufzubauen. Welchen Beitrag Datenmanagement auf die Nachhaltigkeitsberichterstattung leisten kann, verdeutlichte Ralf Schekira, Geschäftsführer der wbg Nürnberg.
Im zweiten Block standen vor allem technische Ansätze im Vordergrund. Die Wohnungswirtschaft ist ein wichtiger Gestalter der Quartiere und Städte. Frank Spangenberg, Geschäftsführer der Städtischen Wohnungsgesellschaft Mühlhausen, verdeutlichte Lösungsansätze zum Stadtumbau mit seriellen Typenbauten. Serielles Bauen spielte auch im Beitrag von Henry Götze, Wohnungsgenossenschaft „Carl Zeiss“ Jena, eine zentrale Rolle. Mit den „Erlenhöfen“ ist nicht nur eines der größten seriellen Neubauprojekte Mitteldeutschlands entstanden, sondern auch der Ansatz erprobt, den hohen Baukosten etwas entgegenzusetzen. Mit dem dritten Vortrag des Blocks gelang Prof. Thomas Naumann von der HTW Dresden ein Perspektivwechsel. Während sich die Wohnungswirtschaft bisher vor allem damit beschäftigt hat, die Wärme in den Gebäuden zu halten, stellt auch der Wärmeeintrag in die Gebäude ein zunehmendes Risiko dar. Aus diesem Grund wurden Daten und Lösungsansätze der sommerlichen Überhitzung der Wohnungsbestände präsentiert.
Auch im letzten Teil der Veranstaltung standen Best-Practise-Lösungen bezogen auf zukunftsträchtige Geschäftsmodelle im Vordergrund. Mit dem Umbau von Plattenbauten in energieautarke, zukunftsfähige Wohnungen hat die Ascherslebener Gebäude- und Wohnungsgesellschaft (AGW) nicht nur die Quartiere aufgewertet, sondern gleichzeitig mit dem Einsatz von Infrarotheizungen und Pauschalmieten auch beim typischen Geschäftsmodell der Wohnungswirtschaft Neuland beschritten. Dabei betonte AGW-Geschäftsführer Mike Elay, dass bewusst auf „Low-tech“ gesetzt wurde und man bewusst auf komplexe Anlagen- und Regelungstechnik verzichten wollte.
Dass sich mitteldeutsche Wohnungsunternehmen nicht nur in baulicher Hinsicht, sondern auch in der Art und Weise des Miteinanders von anderen Marktteilnehmern abheben, verdeutlichte die Vorstellung des Service-Wohnens im „Lipsia-Turm“ durch Nelly Keding, Vorstand der Wohnungsgenossenschaft „Lipsia“ aus Leipzig. Die Wohnungsunternehmen bieten heute weit mehr als nur die „vier Wände“ und übernehmen umfangreiche Dienstleistungen im Bereich von Grünpflege, Handwerkerleistungen, Energiedienstleistungen oder Abrechnungsdienste. Dass dies nicht nur inhaltlich, sondern auch wirtschaftlich erfolgreich sein kann, verdeutlichte Rando Gießmann, Geschäftsführer der Wittenberger Wohnungsbaugesellschaft, in seinem Vortrag zu steuerlichen Organschaftsverhältnissen als Gestaltungsinstrument für Tochtergesellschaften.
Im Anschluss gab Dr. Ingrid Vogler, Energieexpertin des GdW, eine Einschätzung zur aktuellen Entwicklung auf europäischer und nationaler Ebene. Bei all den Herausforderungen lässt sich doch ein leiser Hoffnungsschimmer erkennen, dass die zum Teil ausgeuferten und praxisfernen Anforderungen langsam auf ein beherrschbares Maß heruntergebrochen werden könnten.
Mit über 400 Teilnehmern war die Veranstaltung ein voller Erfolg, so dass von einer Wiederholung in den nächsten Jahren ausgegangen werden kann, wie die fünf Verbandsdirektoren am Ende der Tagung einheitlich auf der Bühne bestätigten. (jak/zeis)
