Hamburger Mietmarkt: Schülerstudie zeigt nur einen Ausschnitt der Realität
Andreas Breitner, Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW), begrüßte zwar das Engagement der Schülerinnen und Schüler, äußerte jedoch deutliche Kritik an der Aussagekraft der Daten. „Die Zahl ‚5.000 Daten‘ klingt zunächst nach sehr viel. Leider bedeuten die Zahlen nicht, dass sie die Lage auf Hamburgs Wohnungsmarkt realitätsnah widerspiegeln“, so Breitner.
Tatsächlich umfasst der Hamburger Mietwohnungsmarkt rund 700.000 Wohnungen. Jährlich wechseln etwa 70.000 davon den Mieter. Die in der Untersuchung erfassten Inserate machten damit nur einen Bruchteil der tatsächlichen Neuvermietungen aus. Hinzu komme, dass viele Wohnungen gar nicht über große Immobilienportale angeboten würden. Genossenschaften, kommunale Anbieter wie SAGA sowie zahlreiche private Unternehmen nutzten eigene Vermietungswege. Diese blieben in der Analyse unberücksichtigt.
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Art der erfassten Mietpreise. Die Studie basiere ausschließlich auf sogenannten Angebotsmieten, also den Preisen neu abgeschlossener Verträge. Bestandsmieten, die für die Mehrheit der Mieter relevant sind, seien nicht enthalten.
Laut der zuletzt veröffentlichten Hamburger Mietenstudie liegt die durchschnittliche Nettokaltmiete im Bestand bei 9,11 Euro pro Quadratmeter. Neuvertragsmieten erreichen im Schnitt 10,13 Euro pro Quadratmeter. Die große Bandbreite zeigt sich ebenfalls deutlich: Der Großteil der Mieten bewegt sich zwischen 7,96 und 10,60 Euro pro Quadratmeter, während 90 Prozent aller Mieten unterhalb von 12,18 Euro liegen.
Nebenkosten und Klimaziele als zentrale Herausforderungen
Für den VNW ergibt sich daraus ein klares Fazit: Die Ohmoor-Studie zeichne ein verzerrtes Bild, da insbesondere günstige Mieten gemeinwohlorientierter Vermieter nicht berücksichtigt seien. Aus Sicht der sozialen Vermieter gebe es keinen Grund für weitere regulatorische Eingriffe in den Wohnungsmarkt. Auch politischer Aktionismus sei unangebracht. Der Wohnungsmarkt funktioniert!
Für viele Haushalte liegt die eigentliche Belastung inzwischen woanders: nicht bei den Kaltmieten, sondern bei den Nebenkosten. Die sogenannte „zweite Miete“ ist in den vergangenen drei Jahren um mehr als 20 Prozent gestiegen und damit deutlich stärker als die Mieten selbst.
Mit Blick in die Zukunft rechnet die Branche mit weiteren Belastungen. Das per Volksentscheid beschlossene Vorziehen der Klimaneutralität in Hamburg auf das Jahr 2040 werde zusätzliche Investitionen erforderlich machen, die sich auch in den Mieten niederschlagen könnten.
Die Wohnungswirtschaft und der Hamburger Senat haben vor wenigen Wochen das Bündnis für das Wohnen erneuert und sich darin auf pragmatische und sinnvolle Maßnahmen geeinigt, den Anstieg der Mieten zu begrenzen. Der sogenannte Hamburg-Standard beispielsweise biete gute Möglichkeiten, im Neubau und hoffentlich auch in der Sanierung die Baukosten zu begrenzen. Auch der Abbau von Bürokratie sei von der Stadtverwaltung versprochen. (schir/ stie)