Europäischer Plan für bezahlbaren Wohnraum: GdW veröffentlicht Vorschläge
Mit einem ersten Aufruf zur Stellungnahme im April 2025 startete die Kommission in die Konsultationsphase. Öffentliche Workshops und weitere Beteiligungsmöglichkeiten sind bis Dezember vorgesehen. Der Plan für bezahlbaren Wohnraum soll unter anderem strukturelle Treiber der Wohnraumkrise ansprechen, effektive Maßnahmen zur Unterstützung des Wohnens ermöglichen, die Baukosten reduzieren und die Umweltverträglichkeit von Gebäuden verbessern.
Der GdW unterstützt den Affordable Housing Plan mit Vorschlägen, die wohnungswirtschaftliche Probleme in Deutschland verringern oder beseitigen können. Besonderer Fokus liegt dabei auf der Balance zwischen Bezahlbarkeit und Nachhaltigkeit, da der bestehende Zielkonflikt nicht gelöst, sondern nur ausbalanciert werden kann. Der Verband hat sich an der Konsultation beteiligt und eine Stellungnahme eingereicht. Darin macht er konkrete Vorschläge, wie bezahlbares Wohnen europaweit gefördert werden kann – ohne die Umweltverträglichkeit aus dem Blick zu verlieren. Ein Überblick über die wichtigsten Punkte:
1. Abkehr vom „Efficiency First Prinzip“
Der GdW fordert eine Abkehr vom „Efficiency First“-Prinzip in der Gebäudepolitik und plädiert stattdessen für einen pragmatischen CO₂-Fokus: Es solle dort investiert werden, wo mit vertretbarem Aufwand die größte Wirkung erzielt wird – wirtschaftlich wie ökologisch. Zusätzliche Effizienzanforderungen im Neubau lehnt der Verband ab.
2. Verzicht auf Kostentreiber
Kostentreibende Normen, unnötige Zertifizierungen oder überzogene Anforderungen – damit müsse laut GdW Schluss sein. Fördervoraussetzungen sollen einfacher und praxistauglicher gestaltet, Barrierefreiheit praktikabel umgesetzt werden.
3. Fast Lane für den Wohnungsbau
Der GdW schlägt die Einführung einer „Fast Lane“-Regelung für den Wohnungsbau vor. Ziel ist es, Wohnbauvorhaben gezielt zu beschleunigen, ohne andere Interessen pauschal zu verdrängen. Der Vorschlag: rechtlich klar begrenzt, sozial ausgewogen und zeitlich befristet. Angesichts des bestehenden Abwägungsvorrangs für Windräder zur Förderung der erneuerbaren Energien oder in Deutschland auch für Ladeinfrastruktur, erscheint eine solche Regelung für bezahlbares Wohnen geradezu geboten.
4. Gesamtwohnkosten im Blick behalten
Nicht nur Energie, sondern alle Wohnkosten müssen im Affordable Housing Plan berücksichtigt werden. Der GdW plädiert zudem für mehr Flexibilität – etwa durch Quartierslösungen oder Flottenansätze bei der Emissionsbewertung.
5. Anpassung der Regulatorik
Der Plan sollte bestehende EU-Richtlinien nicht weiter verschärfen, sondern Umsetzungserfahrungen abwarten. Gleichzeitig müssten Steuerregeln verbessert, Wohnungsbau von übermäßigen Auflagen entlastet und kommunale Wohnungsunternehmen als KMU anerkannt werden.
Der European Affordable Housing Plan bietet eine Chance, europaweit wirksame Instrumente für bezahlbaren Wohnraum zu etablieren – vorausgesetzt, er bleibt realistisch, sozial ausgewogen und investitionsfreundlich. Die nächsten Monate werden zeigen, ob aus dem Plan ein echter Fortschritt wird – oder eine weitere Regulierungsrunde ohne Wirkung auf dem Wohnungsmarkt. (öne/zeis)