Wohnungswirtschaft mahnt bei Wärmewende und Gebäudesanierung mehr Realismus an
In beiden Fällen fordert die Wohnungswirtschaft stärker praxisorientierte, wirtschaftlich tragfähige und sozial ausgewogene Rahmenbedingungen.
Wärmeplanung: Strategische Steuerung darf nicht geschwächt werden
In seiner Stellungnahme zum Referentenentwurf zur Änderung des Wärmeplanungsgesetzes begrüßt der GdW grundsätzlich das Ziel, die kommunale Wärmeplanung effizienter zu gestalten. Gleichzeitig warnt der Verband jedoch davor, die strategische Aussagekraft der Wärmeplanung durch übermäßige Vereinfachungen zu schwächen.
Besonders kritisch sieht der GdW die geplante vereinfachte Wärmeplanung für Gemeinden mit weniger als 15.000 Einwohnern. Die Einwohnerzahl allein sei kein geeignetes Kriterium, um über die planerische Tiefe der Wärmeplanung zu entscheiden. Gerade kleinere Kommunen verfügten häufig über heterogene Strukturen mit historischen Ortskernen, sozialen Infrastrukturen oder Abwärmepotenzialen, bei denen auch netzgebundene Lösungen wirtschaftlich sinnvoll sein könnten.
Der Verband warnt davor, vorschnell ausschließlich auf dezentrale Wärmeerzeugung zu setzen. Dies könne langfristige Lock-in-Effekte verursachen und tragfähige Nah- oder Wärmenetzlösungen verhindern. Zudem müsse die kommunale Wärmeplanung stärker mit der Transformation der Gasnetze, dem Ausbau der Stromnetze und der Fernwärmeinfrastruktur verzahnt werden.
Auch bei den Annahmen zu Sanierungsraten mahnt der GdW mehr Realismus an. Pauschale Vorgaben, etwa zu jährlichen Sanierungsquoten, seien mit den tatsächlichen wirtschaftlichen und organisatorischen Möglichkeiten vieler Wohnungsunternehmen nicht vereinbar. Klimaschutzmaßnahmen müssten für Unternehmen und Mieter gleichermaßen bezahlbar bleiben.
Gebäuderenovierungsplan: Klimaziele müssen wirtschaftlich umsetzbar bleiben
Noch grundsätzlicher fällt die Kritik des GdW am Nationalen Gebäuderenovierungsplan aus, mit dem Deutschland die Vorgaben der novellierten EU-Gebäuderichtlinie umsetzen will. Der Verband bezeichnet die Transformation des Gebäudebestands als „Mammutaufgabe“ und fordert eine stärkere Berücksichtigung wirtschaftlicher, sozialer und praktischer Rahmenbedingungen.
Zwar begrüßt der GdW grundsätzlich die Zielsetzung des NBRP und die stärkere Transparenz über den Gebäudebestand. Gleichzeitig kritisiert der Verband jedoch erhebliche Unsicherheiten bei den Datengrundlagen und den zugrunde gelegten Annahmen. Viele Zielwerte und Renovierungsquoten seien methodisch nicht ausreichend abgesichert.
Besonders deutlich wird die Kritik bei den vorgesehenen Sanierungszielen. Der GdW verweist darauf, dass derzeit jährlich zwar rund 710.000 Wohngebäude energetisch adressiert würden, tiefgreifende Sanierungen mit mehr als 60 Prozent Primärenergieeinsparung jedoch lediglich etwa 30.000 Gebäude beträfen. Die Realität der Transformation liege damit bislang vor allem in schrittweisen Maßnahmen und nicht in flächendeckenden Vollsanierungen.
Der Verband fordert daher technologieoffene und wirtschaftlich tragfähige Ansätze statt starrer Mindeststandards. Insbesondere warnt der GdW vor zusätzlichen regulatorischen Anforderungen ohne ausreichende finanzielle Flankierung. Gerade im Mietwohnungsbereich seien Investitionen durch Mietobergrenzen, begrenzte Umlagefähigkeit und steigende Bewirtschaftungskosten stark eingeschränkt.
Quartiers- und Portfolioansätze stärker berücksichtigen
Ein zentrales Anliegen des GdW ist die stärkere Berücksichtigung von Quartiers- und Portfolioansätzen. Klimaziele müssten aus Sicht der Wohnungswirtschaft nicht zwingend auf Ebene jedes einzelnen Gebäudes erreicht werden, sondern könnten effizienter über größere Bestandsportfolios und integrierte Quartierslösungen umgesetzt werden.
Gerade Quartiersansätze ermöglichten eine bessere Nutzung lokaler erneuerbarer Energien, die Integration unterschiedlicher Gebäudestrukturen und sozialverträgliche Lösungen für die Dekarbonisierung. Gleichzeitig fordert der Verband eine stärkere Synchronisierung von Gebäudesanierung und Energieinfrastruktur – etwa beim Ausbau von Strom- und Wärmenetzen.
GdW fordert verlässliche Rahmenbedingungen
Über beide Stellungnahmen hinweg zieht sich ein zentrales Anliegen: Die Transformation des Gebäudesektors könne nur gelingen, wenn Klimaschutz, Wirtschaftlichkeit und soziale Tragfähigkeit gemeinsam gedacht würden. Der GdW fordert daher langfristig verlässliche Förderbedingungen, realistische Zielpfade, weniger Bürokratie sowie eine stärkere Orientierung an den tatsächlichen Investitions- und Umsetzungskapazitäten der Wohnungswirtschaft. (schä/schi)
Die GdW-Stellungnahme zum Gesetz zur Änderung des Wärmeplanungsgesetzes finden Sie hier.