Bezahlbares Bauen als neues Normal: Wohnungs- und Immobilienwirtschaft drängen auf schnelle Umsetzung des Gebäudetyp E
„Wir sollten nicht versuchen, beim Gebäudetyp E komplizierte Ausnahmen von zu hohen und unnötigen Standards zu regeln. Was wir stattdessen brauchen, ist ein Paradigmenwechsel: ein klar definierter, kostengünstiger Standard, der als „neues Normal’ gelten muss”, so die Verbände der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft.
Das derzeitige Verfahren zum Gebäudetyp E im Bundesministerium der Justiz und im Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen dauert aus Sicht der Immobilien- und Wohnungswirtschaft zu lange und bremst dringend benötigten, bezahlbaren Wohnungsbau aus. Jeder weitere Monat Verzögerung verteuert den Wohnungsbau und verschärft die Wohnungsknappheit.
Der Gebäudetyp E soll kostengünstigeres Bauen ermöglichen, indem auf überzogene Komfort- und Ausstattungsstandards verzichtet wird. Dieses Ziel unterstützt die BID ausdrücklich. Kritisch sieht sie jedoch, dass der Gebäudetyp E bislang vor allem als kompliziertes Sondermodell gedacht wird, bei dem Abweichungen vom bisherigen Standard aufwendig vertraglich geregelt und juristisch abgesichert werden müssen.
„Der kostenoptimierte Basiswohnstandard ist kein Minimalstandard, sondern eine kluge, pragmatische Antwort auf die Realität: Er setzt Prioritäten und macht bezahlbares Bauen wieder umsetzbar. Die Kombination aus schneller Genehmigung durch den Abwägungsvorrang und klar definierten Standards für kostengünstiges Bauen legt den Grundstein für einen Wohnungsmarkt, der handlungsfähig, dynamisch und zukunftsfähig ist“, erklärte Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW.
Damit der Gebäudetyp E wirken kann, braucht es einfache und verlässliche Regeln für zulässige Abweichungen und Haftungssicherheit für Planer und Bauausführende. Wer den Basisstandard einhält, baut bezahlbar und vermietet rechtssicher. Wenn jedes Projekt individuelle Sondervereinbarungen braucht, wird der Gebäudetyp E aus Sicht der Verbände in der Praxis nicht funktionieren.
Die BID schlägt deshalb einen Perspektivwechsel vor: Ein klar definierter kostenoptimierter Basiswohnstandard wird zum neuen Normalfall im Wohnungsbau. Auf teure Übererfüllung technischer Normen wird verzichtet,
solange Sicherheit und Gesundheit gewährleistet sind. Alles, was darüber hinausgeht, bleibt weiterhin möglich, ist dann aber eine freiwillige Aufwertung.
Der Ansatz ist bewusst einfach: Ein wirtschaftlicher, funktionaler Mindeststandard für gebrauchstaugliches Wohnen, rechtssicher umgesetzt, flexibel über Verordnungen weiterentwickelbar und im Einklang mit den Landesbauordnungen. So werden zusätzliche Vertragsklauseln oder Haftungsrisiken überflüssig, und Projekte lassen sich planbar umsetzen.
„Niemand will schlechteres Wohnen“, betonte BID-Vorsitzende Iris Schöberl. „Aber wir brauchen einen realistischen Standard, der bezahlbares Wohnen wieder möglich macht. Heute ist das Gegenteil der Fall.“
Deshalb braucht es jetzt eine klare politische Entscheidung. Der kostenoptimierte Basiswohnstandard kann der Durchbruch sein “–wenn wir den Mut haben, einfache, robuste Lösungen wieder zum Normalfall zu machen”, so
die BID.