Baukostenplan und EH55-Plus-Förderung: Bezahlbares Bauen endlich wieder ermöglichen
Die Wohnungsbaukrise bleibt eine der zentralen sozialen und wirtschaftlichen Herausforderungen in Deutschland. Umso wichtiger ist, dass bei der Investorenkonferenz konkrete Lösungen für mehr bezahlbaren Wohnungsbau im Mittelpunkt standen. Von zentraler Bedeutung für die sozial orientierte Wohnungswirtschaft: verlässliche Rahmenbedingungen, dauerhaft tragfähige Förderung, spürbar sinkende Baukosten und eine klare Absage an zusätzliche Kostentreiber.
Klar ist: Bezahlbarer Wohnraum entsteht nur, wenn bezahlbares Bauen wieder möglich wird. Hohe Baupreise, steigende Finanzierungskosten, überzogene Standards, langwierige Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie unsichere Förderbedingungen verhindern weiterhin viele dringend benötigte Projekte. Die Investorenkonferenz war deshalb ein wichtiges Forum, um die entscheidenden Stellschrauben für den Wohnungsbau zu diskutieren und die Belange der Wohnungsunternehmen deutlich zu machen.
Baukostenplan: Richtige Ansätze für eine Baukostenwende
Entscheidend für die Zukunft des bezahlbaren Wohnens bleiben vor allem die Baukosten. Denn selbst gute Förderprogramme können nicht dauerhaft ausgleichen, wenn das Bauen selbst immer teurer wird. Hohe Standards, wachsende technische Anforderungen, komplexe Verfahren und kostentreibende Normen haben den Neubau in den vergangenen Jahren massiv verteuert. Wer mehr bezahlbare Wohnungen will, muss deshalb an die Kostenseite heran.
Der vom Bundesbauministerium vorgelegte Aktionsplan zur Senkung der Baukosten setzt aus Sicht des GdW an den richtigen Stellen an. Positiv ist, dass die Bundesregierung zentrale Handlungsfelder adressiert, die die Wohnungswirtschaft seit Langem benennt: den Gebäudetyp E, die Begrenzung kostentreibender Normen, serielles und modulares Bauen, verbesserte Abschreibungsmöglichkeiten sowie eine übersichtlichere Förderstruktur.
„Der Aktionsplan setzt an den richtigen Stellen an. Er zeigt, dass die Baukostenfrage endlich mit der notwendigen Ernsthaftigkeit angegangen wird. Entscheidend ist jetzt, dass aus den guten Ansätzen schnell verbindliche und wirksame Maßnahmen werden“, sagte Gedaschko.
Umsetzung entscheidet über Wirkung
Für die sozial orientierten Wohnungsunternehmen kommt es nun vor allem auf eine konsequente Umsetzung an. Die vorgeschlagenen Instrumente müssen zügig konkretisiert, mit klaren Zeitplänen hinterlegt und auf ihre tatsächliche Entlastungswirkung ausgerichtet werden. Besonders wichtig sind dabei Maßnahmen, die kurzfristig Wirkung entfalten können: spürbar sinkende Baukosten, schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie verlässliche und einfach handhabbare Förderbedingungen.
Eine Schlüsselrolle spielt dabei der Gebäudetyp E. Er kann helfen, auf überzogene Standards zu verzichten, ohne Sicherheit und Qualität infrage zu stellen. Voraussetzung ist jedoch, dass er bundesweit rechtssicher ausgestaltet wird und in der Praxis tatsächlich genutzt werden kann. Auch serielle und modulare Bauweisen müssen stärker ermöglicht und skaliert werden. Sie können einen wichtigen Beitrag leisten, um Bauprozesse zu beschleunigen, Planungssicherheit zu erhöhen und Kosten zu senken.
Ebenso wichtig sind dauerhafte steuerliche Verbesserungen. Verlässliche Abschreibungsbedingungen können Investitionen wieder wirtschaftlicher machen und dazu beitragen, dringend benötigte Wohnungsbauprojekte schneller in die Umsetzung zu bringen. Hinzukommen muss ein vereinfachtes und konsistentes Fördersystem. Die derzeitige Förderlandschaft ist für viele Unternehmen zu komplex, zu kurzatmig und zu schwer kalkulierbar. Ein übersichtlicher Förderrahmen wäre gerade für kleinere und mittlere Wohnungsunternehmen sowie Genossenschaften ein wichtiger Fortschritt.
Gemeinsame Aufgabe von Bund, Ländern und Normungsgremien
Der Aktionsplan legt damit eine tragfähige Grundlage. Damit daraus eine echte Baukostenwende wird, braucht es nun ein konsequentes, abgestimmtes Handeln von Bund, Ländern und Normungsgremien. Die Baukostenfrage entscheidet sich nicht allein auf Bundesebene. Auch Länder, Kommunen, Genehmigungsbehörden und Normungsinstitutionen müssen ihren Beitrag leisten, damit Verfahren schneller, Vorgaben einfacher und Standards kostengünstiger werden.
„Der Aktionsplan legt eine tragfähige Grundlage. Damit daraus eine echte Baukostenwende wird, braucht es jetzt ein konsequentes, abgestimmtes Handeln von Bund, Ländern und Normungsgremien. Bezahlbarer Wohnraum entsteht nur, wenn bezahlbares Bauen wieder möglich wird“, so Gedaschko.

EH55-Plus-Förderung: Wichtiges Signal für den Neubau
Ein wichtiger Schritt ist die Verlängerung der zeitlich befristeten EH55-Plus-Förderung. Nach Angaben des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen kann die Förderung weiter beantragt werden, bis die Mittel vollständig verausgabt sind – längstens jedoch bis zum Jahresende. Bis zum 15. Juni konnten rund 33.700 Wohneinheiten mit einem Kredit- und Zuschussvolumen von rund 3,2 Milliarden Euro gefördert werden. Rund 343 Millionen Euro stehen noch zur Verfügung.
„Die Verlängerung der EH55-Plus-Förderung ist ein sehr wichtiges Signal für das Entstehen von dringend benötigtem bezahlbarem Wohnraum. Dafür hat sich der GdW lange und intensiv eingesetzt. Es ist richtig, jetzt alles zu tun, um genehmigte, aber bislang nicht realisierte Bauvorhaben endlich in die Umsetzung zu bringen“, sagt GdW-Präsident Axel Gedaschko.
Die Förderung erfolgt über zinsverbilligte KfW-Kredite. Förderfähig sind Neubau oder Ersterwerb von Wohn- und Nichtwohngebäuden im Effizienzhausstandard 55 beziehungsweise Effizienzgebäudestandard 55 mit einer Wärmeerzeugung aus 100 Prozent erneuerbaren Energien. Voraussetzung ist eine gültige Baugenehmigung; mit dem Bauvorhaben darf noch nicht begonnen worden sein.
Förderung muss verstetigt werden
Aus Sicht des GdW darf die Verlängerung kein einmaliges Zwischenprogramm bleiben. Wohnungsunternehmen und Genossenschaften planen Investitionen über Jahre hinweg. Kurzfristige Förderfenster können helfen, bereits genehmigte Projekte anzuschieben. Für eine dauerhafte Belebung des bezahlbaren Neubaus braucht es jedoch Verlässlichkeit.
„Wer bezahlbaren Wohnraum will, braucht verlässliche Rahmenbedingungen. Die Förderung muss dauerhaft verstetigt und ausreichend ausgestattet werden. Wohnungsunternehmen planen nicht von Woche zu Woche, sondern über Jahre. Befristete Programme helfen kurzfristig – verlässliche Förderkulissen schaffen Investitionssicherheit“, so Gedaschko.
Der GdW fordert, die Verlängerung der EH55-Plus-Förderung mit einem umfassenden Maßnahmenpaket zur Senkung der Baukosten zu verbinden. Dazu gehören ein bundesweit rechtssicherer Gebäudetyp E, ein verlässlicher Förderrahmen für bezahlbaren Neubau, schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren, mehr serielles und modulares Bauen sowie ein konsequenter Verzicht auf zusätzliche kostentreibende Vorgaben.
Investitionssicherheit statt Vergesellschaftungsdebatten
Auch darüber hinaus braucht es klare politische Leitplanken für eine funktionierende Wohnungsversorgung. Ein extrem wichtiges Signal ist, dass sich Bundesbauministerin Verena Hubertz und Bundesfinanzminister Lars Klingbeil klar gegen Vergesellschaftungen von Wohnungsbeständen positioniert haben. Enteignungsdebatten schaffen keinen einzigen zusätzlichen Quadratmeter Wohnraum, sondern gefährden Investitionssicherheit und Vertrauen.
Gleichzeitig gilt aber auch: Wohngeldkürzungen wären in der aktuellen Lage der absolut falsche Weg. Gerade in Zeiten hoher Wohnkosten muss zielgenaue soziale Unterstützung gestärkt und nicht geschwächt werden.
Aus politischen Plänen muss Entlastung auf den Baustellen werden
Die aktuellen Signale zeigen: Die zentralen Probleme des Wohnungsbaus sind erkannt. Jetzt kommt es darauf an, aus politischen Plänen konkrete Entlastung auf den Baustellen zu machen. Die Verlängerung der EH55-Plus-Förderung ist gut und wichtig. Der Baukostenplan setzt an den richtigen Stellen an. Entscheidend ist nun, dass Förderung, Baukosten, Regulierung und soziale Absicherung zusammen gedacht werden.
Denn Deutschland braucht wieder mehr bezahlbaren Wohnraum – und dafür muss bezahlbares Bauen wieder möglich werden. (schi)